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Die Fitnessbranche wird grün(er)

Das Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit setzt sich in der Gesellschaft immer mehr durch und drängt stärker in den Fitnessmarkt. Das es gut umsetzbar ist, zeigen Fitnessanbieter in den unterschiedlichsten Bereichen. Wir stellen einige vor.

Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz werden für Unternehmen ein immer wichtigeres Thema. Einerseits weil es von der Verbraucherseite gefordert wird, andererseits aber auch aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus ressourcenschonend zu arbeiten. Besonders hart traf es im letzten Jahr die Wintersportindustrie, die mit fortschreitendem Klimawandel nach und nach ihre Existenzgrundlage verliert. Denn Schnee wird ein immer selteneres Gut. Und wenn es ums Geld geht, bewegt man sich insbesondere in wirtschaftlichen Kontexten auch mal etwas schneller. So kam nun die norwegische Skibekleidungsmarke Bergans auf die Idee die vier Jahreszeiten als Weltkulturerbe zu begreifen, um sie zu schützen. Ein krasser Ansatz aber verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen. Und während Politiker versuchen es mit milden Klimaschutzmaßnahmen allen recht zu machen, ruft eine Stadt in Deutschland und der Welt nach der anderen den Klimanotstand aus. Diese eher symbolische Handlung zeigt aber, dass nachhaltiges Handeln in der Gesellschaft angekommen ist. 

Das wird auch in der Fitnessbranche spürbarer. So wurde für den FIBO 
INNOVATION & TREND Award 2020 die Kategorie Ökologie & Nachhaltigkeit eingeführt. Und die Branche lässt erkennen, dass sie das Thema ernst nehmen will. Von Trinkflaschen aus Zuckerrohr, über Matten aus Kork und Fitnessgeräten, deren Plastikteile aus alten Fischernetzen gewonnen werden, zeigen sich kreative Ideen. Die Königsdisziplin ist dann eine Fitness-Anlage, in der mehrere „grüne“ Ansätze umgesetzt werden. Und davon wollen wir uns nun zwei etwas genauer ansehen.
 


Mit der ECO-POWR-Linie wird der erzeugte Strom ins Studio oder das Netz eingespeist


Pionier seit 2009
Auch wenn es 2009 noch keine Fridays-for-Future-Bewegung gab, war Klimaschützer das Thema schon bewusst und auch aus der Wissenschaft kamen Warnungen an die Regierung. Trotzdem dachten die wenigsten dar an, dass man hier etwas tun müsste. Ganz anders René Eick. Der gelernte Maschinenbauer eröffnete bereits 1991 seinen Fitness-Club unter dem Namen Gold Gym Berlin. Eines Tages im Jahr 2008 machte ihn der Service-Vertreter seines Kardiogerätelieferanten darauf aufmerksam, dass in den Geräten Lichtmaschinen verbaut sind. Das ließ ihn aufhören, denn damit wird die Stromerzeugung im Auto ermöglicht. Das zeigte René Eick die Möglichkeit auf, dass auch an seinen Geräten Strom erzeugt werden kann. Am 01.10.2009 war es dann soweit und die Trainierenden können an den Geräten den selbst erzeugten Strom „abzapfen“. Da war der Weg vom Gold Gym zum Green Gym nicht mehr weit und die Umbenennung erfolgte. 

Auch im Boutique-Bereich ist das Thema Nachhaltigkeit angekommen. In London gibt es mittlerweile drei Standorte des TERRA HALE, das die Themen Ökologie und Fitnessanlage miteinander verknüpft. Ökologie ist dabei kein Marketinggag für das Unternehmen, sondern echte Lebensphilospohie. Man möchte die Trainierenden nicht nur fitter und gesünder machen, sondern auch für die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit sensibilisieren. Optisch zeigt sich das mit viel Holz und Pflanzen in der Raumgestaltung. Dementsprechend kommen Holzgeräte zum Einsatz. Aber auch bei den Workouts wird es grün. Neben dem klassischen Personal Training, HIIT-Classes und TRX-Workouts wird in der Filiale in Shepherd´s Bush Eco-Cycling angeboten. Ausgestattet mit Sports-Art-Geräten wird der während des Workouts produzierte Strom ins Netz eingespeist. So produzieren die Trainierenden in einem Cycling-Kurs bis zu 3000 Watt an Strom. Jeder Teilnehmer bekommt eine Auswertung wie viel Strom er produziert hat und wie lange sich der erzeugte Strom für was nutzen lässt. Darüber hinaus wird im TERRA HALE noch auf weiteres geachtet. So sind Einwegplastikflaschen verpönt und selbst die Partner mit denen man zusammenarbeitet werden auf ihren ökologischen Fußabdruck untersucht. 
 


Das Boutique-Konzept TERRA HALE setzt auf Ökologie und Nachhaltigkeit


Einer dieser Partner ist wie bereits erwähnt Sports Art, die das Thema Nachhaltigkeit schon länger vertreten. Schon seit einigen Jahren ist die ECO-POWR-Linie des Anbieters nun auf dem Markt. Mit den Kardiogeräten kann bis zu 75 % der eigenen Trainingsenergie in Strom umgewandelt und entweder im Studio genutzt oder ins Netz eingespeist werden. Eine einfache und effiziente Art und Weise Strom zu erzeugen. 

Fazit
Das immer stärker werdende Bewusstsein hin zu einer grüneren Welt macht auch vor der Fitnessbranche nicht halt. Immer mehr Studios erkennen den Nutzen für sich und die Umwelt, wenn sie nachhaltig handeln. Und die vorgestellten Beispiele zeigen, dass es geht und man sich nachhaltig engagieren kann. Außerdem ist es sinnvoll jetzt schon damit anzufangen und nicht damit zu warten, bis die Mitglieder zu einer stärkeren Ökologie drängen. 

 

Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Seit seinem Germanistik-und Philosophie-Studium in Mannheim arbeitet er für das Fachmagazin BODYMEDIA. 2015 übernahm er nach Abschluss seines BWL-Studiums die Chefredaktion für das Magazin. 2017 etablierte er die BODYMEDIA dann mit einem eigenen Magazin im Physio-Bereich. Seine sportliche Erfahrung sammelte vor allem in seiner aktiven Zeit als 800m-Läufer. In seiner Freizeit joggt er durch den Wald oder schwingt Kettlebells.

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