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Die Fitness-Trends der ISPO für 2021

Wer hätte das gedacht? Es sind nicht HIIT oder Wearables, die den Fitnessmarkt 2021 bestimmen werden, sondern Corona-induzierte Maßnahmen, die in den ISPO-Trends für das nächste Jahr ganz oben stehen. Wir schauen uns die Trendvorschau an und ordnen sie für Fitnessstudiobetreiber ein.

Während die Trends der letzten Jahre eher inhaltlicher Natur waren, stellt die Corona-Pandemie dieses Schema auf den Kopf. Insbesondere die Themen Gesundheit und sicheres Training werden die nächsten Jahre bestimmen. Zumindest, wenn es nach den ISPO-Trends geht. 

Das wird dann direkt auch als Trend Nr. 1 genannt. Hier geht es darum, den Mitgliedern Sicherheit beim Training in den Fitnessstudios zu vermitteln. Das ist insbesondere deshalb so wichtig, da viele der Mitglieder sich während des Lockdowns mit Outdoor-Sport und Home-Fitness in Form gehalten haben. Auch wenn die ersten Monate nach der Fitnessstudioschließung durch Zurückhaltung vonseiten der Mitglieder geprägt war, zeigte sich doch, dass viele froh waren, wieder in den Fitnessstudios trainieren zu können. 

Kündigungswelle trotz guter Vorsätze?
Eine Beobachtung der letzten Wochen hingegen zeichnet ein paradoxes, aber durchaus erschreckendes Szenario. Immer mehr Fitnessstudiobetreiber klagen über vermehrte Kündigungen – für viele ein im Oktober/November sicherlich ungewohnter Zustand. Mit dem Beginn der kälteren Tage startet normalerweise auch die Hochzeit bei den Neumitgliedschaften. Dieses Jahr scheint es andersherum zu sein. Das ist sicherlich auf die steigenden Infektionszahlen und das kältere Wetter, bei dem nicht mehr dauerhaft gelüftet werden kann, zurückzuführen. Das bereitet den Mitgliedern Sorge und sie kündigen schon mal pro forma. Zudem sind die Themen Kurzarbeit und Insolvenz in vielen Wirtschaftszweigen nach wie vor für viele Realität. 

Daher suchen Fitnessstudiobetreiber schon seit einiger Zeit nach effektiven Maßnahmen, diese Sicherheit zu vermitteln. Luftfilter, Desinfektionsspender und Spezialangebote wie von PURE AIR können genau das leisten und werden daher stark nachgefragt. Ob sie reichen, um den Mitgliedern ausreichend Sicherheit vermitteln zu können, wird sich zeigen. Gepaart mit einer engen Kommunikation durch den Fitnesstudiobetreiber ist das wahrscheinlich der erfolgversprechendste Weg zum Erfolg. 

Gesundheit als wichtiger Faktor
Das Thema Gesundheit wurde durch die Corona-Pandemie stärker nach vorne gerückt. Durch Fälle im Familien- und Freundeskreis wurde der Wert der eigenen Gesundheit neu bewertet. Das ist eine Entwicklung, die eigentlich sehr positiv für die Fitnessbranche ist, da Fitnessstudios durch regelmäßiges Training eine bessere Gesundheit ermöglichen können. Laut den ISPO-Trends wird das auch dem Thema BGM/BGF einen Auftrieb geben. Dieser Trend ist sicherlich unbestreitbar. Es stellt sich nur die Frage, wer davon profitieren wird. Fitnessstudiobetreiber, die den Weg des Gesundheitsanbieters bereits beschreiten oder begonnen haben, ihn zu gehen, sind jedenfalls im Vorteil. Durch den Launch von Diensten wie z. B. Apple Fitness+ wird es zukünftig immer schwerer werden, als reiner Fitnessanbieter ohne klares Profil zu überzeugen. Das Thema BGM/BGF wäre hier ein gutes Standbein, das nicht so einfach umzusetzen ist. Gerade deswegen fällt es vielen Fitnessstudios aber auch so schwer, dieses Thema umzusetzen. 

 


Body & Mind-Kurse gehören zu den zukunftsichersten Trends

Steigende Anforderungen im Arbeitsalltag, höhere Flexibilität, ständige Erreichbarkeit und die Angst, etwas zu verpassen, fordern unsere psychische Belastbarkeit stark heraus. Das macht sich im seit Jahren anhaltenden Anstieg psychischer Krankheiten bemerkbar. Hinzu kamen weitere Belastungen durch Corona, wie Homeschooling oder Existenzängste. Viele finden einen Ausgleich in Body&Mind-Kursen wie Yoga, Pilates & Co. Das Verlangen nach einer Pause und geistiger Erholung ist der dritte Trend der ISPO. Das ist absolut nachvollziehbar und im Markt schon greifbar. Je stressiger unser Alltag wird, umso mehr sehnen wir uns nach kurzen Pausen von der Hektik. Mittlerweile konnte durch Studien belegt werden, dass das Stresslevel heute tatsächlich höher ist als noch in den 90er-Jahren. Zwar sorgte die Corona-Pandemie bei vielen für eine gewisse Entschleunigung zum Durchatmen. Davon ist vielerorts allerdings nichts mehr spürbar. Es ist also davon auszugehen, dass es auch die nächsten Jahre eher noch schneller wird. Die Nachfrage nach Body&Mind-Kursen dürfte also nicht so schnell abreißen.

 


Die Zielgruppe der Senioren wird durch COVID-19 an Wichtigkeit gewinnen


Senioren als spezielle Zielgruppe
Ein weiterer Punkt, der in der Trendübersicht genannt wird, ist die weitere Ausdifferenzierung und stärker an einzelnen Zielgruppen orientiertes Training. Insbesondere auf den Boutique- und Mikrostudio-Markt wird verwiesen, der genau das macht. Natürlich gibt es so Angebote wie Ziegen-Yoga oder Glide-Fit – das sind allerdings Nischenentwicklungen, von denen nicht zu erwarten ist, dass sie sich auf einer großen Fläche durchsetzen. Zudem ist der Fokus auf einzelne Zielgruppen für Fitnessstudios schwer umzusetzen. Zu viele Anlagen positionieren sich noch in einer „Mitte“, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Die Wahrscheinlichkeit, dass individuelles Training zur Norm wird, ist eher unwahrscheinlich. Bei Boutique- und Mikrokonzepten funktioniert das derzeit auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. 

Trend Nr. 5 sind spezielle Angebote für Zielgruppen, die besonders stark von Corona betroffen sind, wie z. B. Senioren. Je nachdem, wie sich das Thema Corona weiterentwickelt, könnte das tatsächlich eine Entwicklung sein, die irgendwann eintrifft. Ob sich Corona endgültig oder zumindest größtenteils ausrotten lässt, ist eine Frage, die derzeit diskutiert wird, insbesondere unter dem Gesichtspunkt eines kommenden Impfstoffs. Begleitet uns Corona noch einige Jahre, kann es durchaus schwierig werden, ausreichend Mitglieder zu gewinnen, um Fitnessstudios wirtschaftlich zu führen. Dann ist es Zeit für neue Ideen, wie z. B. individuelles Training für Zielgruppen, die nicht mehr ins Fitnessstudio kommen möchten. Ob das dann Mikrostudios mit verstärkten Hygienebedingungen sind, ein Training in kleinen Gruppen oder aber eine digitale Lösung, wird sich dann zeigen. 

Sport = Fitness?
Ob die Verschmelzung von Fitness und Sport tatsächlich bereits so weit fortgeschritten ist, wie im Artikel angenommen wird, lässt sich zumindest aus Sicht der Fitnessstudios eher bezweifeln. Zwar gibt es Mitglieder, die sicherlich auch z. B. im Freien Sport machen und das alles via App tracken. Gerade bei den älteren Zielgruppen sind solche Menschen jedoch eher die Seltenheit. Durch die bereits erwähnte Entwicklung mit Apple Fitness+ wird versucht, Sport/Fitness einheitlicher zu machen. Aggregatoren zeigen, dass es hierfür eine Nachfrage im Markt gibt. Trotzdem wird der Markt erst mal zersplittert bleiben. Fitnessstudios werden wahrscheinlich der Entwicklung zunächst zuschauen, bevor sie reagieren können. 

Der letzte Trend besteht aus zwei Elementen. Es sind die Bereiche Online-Fitness und Outdoor-Training. Die Entwicklung des Peloton-Bikes zeigt, dass eine Online-Erfahrung von zu Hause aus für viele Trainierende interessant ist. Nicht umsonst entwickelten große Player aus der Industrie nun ebenfalls Plattformen für diese Art von Training. Die Kunst für Fitnessstudios wird es zukünftig sein, ihr Offline- mit dem Online-Geschäft zu verbinden. 

Das Trendthema Outdoor-Fitness wuchs stark in der Corona-Zeit. Sie waren die ersten Angebote, die wieder stattfinden konnten, und zogen damit ein besonderes Interesse auf sich. Auf die Besonderheiten des Themas gehen wir in einem eigenen Artikel in diesem Themenschwerpunkt ein. Sie finden ihn auf den Seiten 36-37.

Fazit
So richtig überraschend sind die Fitness-Trends der ISPO für 2021 tatsächlich nicht. Vieles leitet sich aus aktuellen Entwicklungen ab. Gleichzeitig zeigen sie die Zukunftschancen der Fitnessbranche und mögliche Richtungen, in die sie sich entwickeln kann bzw. sogar muss, um relevant zu bleiben.

 

Quellen
Header: ©Maridav - stock.adobe.com
Bild 1: ©Kawee - stock.adobe.com
Bild 2:  ©Fabio - stock.adobe.com

Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Seit seinem Germanistik-und Philosophie-Studium in Mannheim arbeitet er für das Fachmagazin BODYMEDIA. 2015 übernahm er nach Abschluss seines BWL-Studiums die Chefredaktion für das Magazin. 2017 etablierte er die BODYMEDIA dann mit einem eigenen Magazin im Physio-Bereich. Seine sportliche Erfahrung sammelte vor allem in seiner aktiven Zeit als 800m-Läufer. In seiner Freizeit joggt er durch den Wald oder schwingt Kettlebells.

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