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Der Kursraum muss Emotionen transportieren

Wie wird ein Fitnesskurs für die Teilnehmer zum Erlebnis? Hauptverantwortlich ist mit Sicherheit in erster Linie der Trainer. Aber auch die Gestaltung und die technische Ausstattung des Kursraums haben einen erheblichen Anteil. Was einen modernen Kursraum auszeichnet und was Betreiber beachten sollen, erklärt SOTA-Geschäftsführer Florian Hempen im Interview.

BODYMEDIA: Was unterscheidet einen modernen Kursraum heute von dem vor einigen Jahren?
Florian Hempen: Der moderne Kursraum von heute unterscheidet sich im Vergleich zu früher durch das gesamte Ambiente. Viele Betreiber setzen darauf, dass es keine Spiegel mehr gibt. Früher hingegen wurde der gesamte Raum verspiegelt und viele Fensterfl ächen wurden integriert. Heute tendiert man eher dazu, die Räume abzudunkeln, und setzt verstärkt Lichttechnik ein, um dadurch mehr Emotionen bei den Kursteilnehmern hervorzurufen. Der klassische Kursraum von früher mit Laminatboden, weißen Wänden und Putzbeleuchtung gehört der Vergangenheit an. Heute setzt man unter anderem auf Farben und große Grafi ken. Das Ziel muss sein, den Kursraum so zu gestalten, dass er einen Wow-Eff ekt erzeugt und jeder Lust bekommt, dort Sport zu machen. Die Gestaltung des Kursraums hat erheblichen Anteil daran, dass der Kurs zum Erlebnis wird.

BODYMEDIA: Ein spektakulärer Kursraum mit tollen Sound- und Lichteff ekten ist das eine – gleichzeitig haben die Trainer den Wunsch, damit so wenig Aufwand wie möglich zu haben. Wie kann das realisiert werden?
Florian Hempen: Heute gibt es ganz viele Möglichkeiten, Touchscreen-Mo-nitore einzusetzen, sodass ein Trainer nur noch einen Knopf drücken muss, damit die Technik komplett im Hintergrund läuft. Egal wie man einen Kursraum ausstattet, je mehr Knöpfe vorhanden sind und je komplizierter die Technik zu bedienen ist, desto frustrierter sind die Trainer, da sie sich ausschließlich auf die Teilnehmer und Kursinhalte konzentrieren möchten und eben nicht auf irgendwelche technischen Details, wie Klimaanlage oder Licht und Sound. Das System muss so simpel sein, dass alles im Hintergrund abläuft und der Fokus bei den Trainierenden bleibt. 

BODYMEDIA: In Fitnessstudios gibt es viele verschiedene Kursarten mit unterschiedlichen Anforderungen an den Kursraum, wie z. B. Body-&-Mind-Kurse, Cycling-Kurse und HIIT-Kurse. Gibt es bei der Gestaltung des Kursraums Möglichkeiten, die verschiedenen Anforderungen zu berücksichtigen?
Florian Hempen: Das ist eine ganz schwierige Frage. Da geht jeder Betreiber einen anderen Weg. Viele setzen auf multifunktionale Räume. Was sich immer mehr durchsetzt, ist, dass sich ein Raum sowohl zur Durchführung einer Yoga-Stunde als auch eines HIT-Kurses eignet. Einen sehr guten Ansatz finde ich, die Räume so zu gestalten, dass man sie auch in den Leerzeiten nutzen kann. Denkbar ist beispielsweise, dass im Kursraum auch Vorträge stattfi nden können. Einfach die Jalousien öff nen, damit Tageslicht in den Raum gelangt, und ihn mit Tischen und Stühlen ausstatten – und schon wird aus dem Kurs- ein Vortragsraum. Das heißt, man hat eine Art Crossnutzung des Kursraums und kann ihn für verschiedene Dinge nutzen. Das ist sicherlich eines der besten Konzepte, die man so in den letzten Jahren gesehen hat. Zudem besteht die Möglichkeit, einzelne Zielgruppen und Kurse wie z. B. Yoga in einem separaten Raum im Studio auszugliedern, weil die Kursteilnehmer oft ein Lautstärkeproblem haben und Ruhe benötigen. Die Herausforderung besteht darin, das Ganze baulich zu lösen und zugleich auf die jeweilige Zielgruppe im Studio abzustimmen.
 


Anhand der technischen Möglichkeiten können Kursräume regelrechte Erlebniswelten erzeugen
 

BODYMEDIA: Wenn man sich die TV- oder Smartphone-Branche anschaut, stellt man fest, dass sich hier in den vergangenen Jahren sehr viel getan hat. Ist schon abzusehen, welche Technik-Trends demnächst auch für Kursräume in Fitnessstudios eine sinnvolle Rolle spielen könnten?
Florian Hempen: Ich glaube, die jetzigen Generationen, die natürlich nur noch On-Demand arbeiten und nur noch Netfl ix schauen, haben eine weitaus höhere Erwartungshaltung. Ich denke, dass das Thema Gaming ganz großen Stellenwert einnehmen wird und der Kursbereich sich in Richtung spielerischer Sport entwickelt. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Beamer, Leinwände, große Screen-Flächen und Böden durch Markierungen zur aktiven Nutzung eingesetzt werden, sodass man als Kurs-Teilnehmer ein Stück weit in seine Kindergartenzeit zurückversetzt wird. Sowohl technisch als auch in Sachen Interieur muss das von vielen Firmen gelöst werden. Ich glaube, das ist einer der Zukunftsmotoren. Es würde sich auch anbieten, mit VR-Bril-len zu arbeiten. Das Problem dabei ist die Hygiene. Man kann dadurch zwar in ganz viele Welten abtauchen und ganz tolle Dinge mit den Kursteilnehmern machen, bisher ist es allerdings nicht wirklich praktikabel. Ich glaube, es wird eine schwierige Aufgabenstellung, das Thema Virtual Reality im Studio zu integrieren. 

BODYMEDIA: Weniger ist ja bekanntlich manchmal mehr. Kann das auch auf den Kursraum zutreffen? Was gilt es bei der Gestaltung von Kursräumen zu beachten, damit aus dem Kurserlebnis kein Fiasko wird?
Florian Hempen: Ich glaube, die Kursraumgestaltung ist zielgruppengetrieben. Wer z. B. Reha-Kurse anbietet, sollte keinen dunklen Raum bauen, in den kein Tageslicht hineinkommt und in dem eine Atmosphäre wie in einer Diskothek herrscht. Zudem sollte man es nicht zu sehr übertreiben. Wir machen immer noch Sport und die Leute sollen sich nicht verletzen. Der Trainer sollte immer noch die Möglichkeit haben, den gesamten Raum zu überwachen und auch entsprechend durchgreifen zu können, wenn Kursteilnehmer Vorgaben falsch umsetzen.

BODYMEDIA: Zusammengefasst: Wann wird ein Kurs im Fitnessstudio deiner Meinung nach aus technischer Sicht zum Erlebnis für die Kursteilnehmer?
Florian Hempen: Natürlich steht die simple Bedienung im Vordergrund, sodass Trainer so wenig Zeit wie möglich für die Technik aufwenden müssen. Die Technik muss so einfach zu bedienen sein, dass der Kurs pünktlich starten kann, sobald alle Teilnehmer den Kursraum betreten haben. Gerade wenn Kurse direkt hintereinander folgen, muss gegeben sein, dass die Trainer sich sehr schnell abwechseln können und die Technik dabei nicht im Wege steht. Das sehe ich als einen der wichtigsten Faktoren an. Ebenso wichtig ist eine vernünftige Akustik. In vielen Kursräumen ist dies leider nicht der Fall. Dort sind häufig Lautsprecher auch von hinten angeordnet, sodass man als Teilnehmer den Trainer hinter sich hört. Das sollte dringend vermieden werden. Also eine gute Akustik ist sicherlich mit einer vernünftigen Bedienbarkeit für den Trainer das Essenziellste. Beim Licht- und Deko-Konzept ist es maßgeblich zielgruppengetrieben. Hier hängt es vom Betreiber ab, ob dieser eher den Disko-Flair bevorzugt und eine Erlebniswelt schaff en möchte oder ob eher eine zurückhaltende Gestaltung mit viel Tageslicht bevorzugt wird. Darüber hinaus sind die Anforderungen an den jeweiligen Club ausschlaggebend. Egal welchen Weg man wählt, es gibt heute viele Möglichkeiten, den Kursraum hübsch zu gestalten.

BODYMEDIA: Vielen Dank für das Interview. 

Der Autor

  • Constantin Wilser

    Constantin Wilser ist seit 2006 in der Fitnessbranche als Redakteur tätig. Davor absolvierte er sein Bachelor-Studium der Sportwissenschaften am KIT in Karlsruhe. Seit 2019 ist er Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktionsteams. Zudem ist er Ansprechpartner für die BODYMEDIA Premium Partner. In seiner Freizeit trainiert der Fußball-Fan gerne im Studio, geht laufen oder fiebert im Fußball-Stadion mit.

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