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Der Fitnessmarkt in Afrika und den Golfstaaten

Krasser könnten die Gegensätze nicht sein. Während in Großteilen Afrikas große Armut herrscht, scheint in den Golfstaaten Geld keine Rolle zu spielen. Im Interview verrät Yves Preissler, welche Potenziale er im afrikanischen Markt sieht und wodurch sich die Studios in den Golfstaaten auszeichnen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das erste Fitnessstudio, das Yves Preissler in Afrika eröffnet hat, war der AFROFIT Club in Nairobi, Anfang 2022.
  • Der Markt ist noch sehr jung und entwickelt sich erst, da das Einkommen und die Mittelschicht noch wachsen.
  • Mit AFROFIT soll die erste Fitnessstudiokette in Ost-, Zentral- und Westafrika aufgebaut werden.
  • Den Markt in den Golfstaaten zählt Yves Preissler zu den am besten entwickelten Märkten der Welt.


Hier gibt es das Interview mit Yves Preissler zum Ansehen auf Youtube

BODYMEDIA: Wie kam es dazu, dass du dich als gebürtiger Deutscher mit deinem Business auf den afrikanischen Fitnessmarkt fokussierst?

Yves Preissler: Ich bin nach Afrika, genauer gesagt nach Nairobi in Kenia eingeladen worden, um dort ein Projekt zu realisieren. Dort habe ich sehr viel Potenzial gesehen, anschließend den Markt gründlich erforscht, einen umfangreichen Businessplan erstellt und meine eigenen Projekte gestartet. Das erste Fitnessstudio, der AFROFIT Club in Nairobi, hat am 3. Januar dieses Jahres eröffnet.

BODYMEDIA: Wir alle kennen den deutschen bzw. die europäischen Fitnessmärkte, die geprägt sind von verschiedenen Ketten und Premium- sowie Discountstudios. Kannst du uns bitte einen groben Überblick geben, wie wir uns die Fitnesslandschaft in Ostafrika vorstellen können? Wo gibt es Gemeinsamkeiten zu Deutschland, worin liegen die Unterschiede?

Yves Preissler: Der ostafrikanische Fitnessmarkt ist ein sehr junger Markt. Es gibt ca. 65 Studios in Nairobi. Dabei handelt es sich größtenteils um Keller-Gyms mit überwiegend sehr altem Equipment. Studios, die man von der Ausstattung her mit denen in Europa vergleichen könnte, gibt es lediglich zwei bis drei. Eines davon ist unser Studio.


In Sachen Ausstattung und Style ist das Studio in Afrika einzigartig und mit europäischen Anlagen vergleichbar (Bildquelle: © AFROFIT)

BODYMEDIA: Welche Wünsche hat die Bevölkerung in Ostafrika an ein Fitnessstudio?

Yves Preissler: Die Wünsche der Menschen sind eigentlich recht einfach. Sehr wichtig, auch wenn es komisch klingt, sind warme Duschen. Warme Duschen können nicht täglich genutzt werden, denn die Mehrheit der Menschen hat kein fließendes Wasser. Vorausgesetzt werden neben Klimaanlage vor allem freier High-Speed-Internetnutzung.

Generell sind die Ausstattung und auch die Hygiene der Studios mit denen in Europa schlecht zu vergleichen. Die meisten Studios sind nur unvollständig ausgestattet. Outdoor-Trainingsbereiche gab es bisher überhaupt nicht. Wir haben das erste Outdoor-Gym Ostafrikas gebaut.


Yves Preissler baut mit AFROFIT gerade die erste Studiokette in Ost-, Zentral- und Westafrika auf (Bildquelle: © AFROFIT)

BODYMEDIA: Wie hat sich der ostafrikanische Fitnessmarkt in den vergangenen Jahren entwickelt?

Yves Preissler: Es ist ein sehr junger Markt, mit sehr jungen Menschen. Der Kenianer ist laut verschiedener Quellen im Durchschnitt 20,1 Jahre alt. Also, der Markt beginnt gerade erst, sich zu entwickeln. Die Mittelschicht und deren Einkommen wächst. Parallel dazu wächst auch der Bauchumfang der Mittelschicht. Das wiederum bedeutet, dass der Bedarf an Fitness steigt. Man kennt natürlich viele kenianische Läufer, Weltrekordhalter usw. Es ist trotzdem eher selten, dass man in Kenia trainiert.

Die Menschen arbeiten sehr hart, brauchen kein Fitnessstudio und können es sich auch nicht leisten. Für die gehobenere Mittelschicht oder die Reichen ist kennzeichnend, dass sie weniger arbeiten, viel essen, vor allem viel Fastfood essen, Autos nutzen und eigene Bedienstete im Haus haben. Diese Zielgruppe entsteht gerade erst. Aber ich sage schnellen Wachstum dieser Zielgruppe, die für Fitnessstudios interessant ist, voraus. Wir sind die Ersten, die eine Kette und ein Franchisesystem aufbauen werden.

BODYMEDIA: Inwiefern unterscheidet sich die Lebenseinstellung in Afrika vom klassischen deutschen Lebensstil? Kannst du uns das anhand von Beispielen aus dem ostafrikanischen Studioalltag aufzeigen? Und welche Herausforderungen ergeben sich dadurch für das Daily Business?

Yves Preissler: Die Herausforderung ist, dass die Menschen immer im Hier und Jetzt leben und an morgen überhaupt nicht denken. Diese Lebenseinstellung muss man lernen zu verstehen. Es ist sehr wichtig, die Leute zu motivieren und viele Schulungen zu machen. Es ist wichtig, den Mitarbeitern den Arbeitsalltag und die Arbeitsabläufe sehr genau zu erklären. Das ist eine große Aufgabe. Sehr gut ist, dass wir seit der Eröffnung alle Mitarbeiter halten konnten, da die Fluktuation doch sehr hoch ist.

BODYMEDIA: In weiten Teilen Afrikas herrscht Armut. Welche Potenziale siehst du, trotz der größtenteils schwierigen Lebensverhältnisse der Menschen, im afrikanischen Fitnessmarkt? Wie wird sich der Fitnessmarkt deiner Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln?

Yves Preissler: Natürlich gibt es viel Armut. Das sehe ich jeden Tag auf meinem Weg zur Arbeit, wenn ich durch die Slums fahre. Aber es gibt auch die sogenannten Central Business Districts, wo Geld verdient wird. Die Mittelschicht wird weiter wachsen. Gerade China tätigt viele Investitionen in Kenia. Es werden Straßen, Zuglinien und riesengroße Handelszentren gebaut.

Wir sehen, dass im Zuge dieser Entwicklung Fitnessstudios als Nächstes an der Reihe sind. Wir investieren in die Zukunft. Natürlich ist es ein Risikomarkt, gerade wenn es um Politik geht. Aber wie sagt man so schön, „no risk no fun“.

BODYMEDIA: Welche Pläne hast du mit deiner Firma AFROFIT, welche Ziele möchtest du in den nächsten Jahren erreichen?

Yves Preissler: Wir werden die erste Kette in Ost-, Zentral- und Westafrika aufbauen. Deswegen auch der Name AFROFIT. Mindestens zehn eigene Studios möchten wir in den nächsten vier Jahren eröffnen. Dazu kommen dann weitere Franchiseanlagen. Wir haben also große Pläne. Die erste Cluberöffnung war ein voller Erfolg, was uns sehr positiv stimmt.


Den Markt in den Golfstaaten zählt Yves Preissler zu den am besten entwickelsten Märkten der Welt (Bildquelle: © AFROFIT)

BODYMEDIA: Ein krasser Kontrast zu Ostafrika ist der Fitnessmarkt in den Golfstaaten, auf den du dich ebenfalls fokussierst. Diese Staaten haben sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Hat diese rasante Entwicklung auch im Fitnessbereich stattgefunden? Wie sieht der Markt in den Golfstaaten aus?

Yves Preissler: Ich denke, der Markt in den Golfstaaten ist der am besten entwickelte Markt der Welt. Wir sind seit 2005 mit meiner Firma Yves Preissler Business Consulting in Kuwait ansässig und haben bei über 60 Projekten mitgewirkt. Die Projekte reichen von großen Box-Gyms über Ketten bis hin zu Boutique- und 5-Sterne-Hotel-Gyms. Der Markt wächst zurzeit weiterhin stark.

BODYMEDIA: In Deutschland gibt es immer noch viele inhabergeführte Studios. Wie können wir uns den typischen Clubbetreiber in Dubai vorstellen?

Yves Preissler: In Kuwait z. B. gibt es vor allem inhabergeführte Studios. In den Emiraten und Saudi-Arabien sind die Ketten langsam auf dem Vormarsch. Lokale Konzepte sind am Wachsen.

Seit drei Jahren gibt es z. B. GymNation. Dabei handelt es sich um die erste Kette im Discountbereich. Wir waren bei der Eröffnung des ersten Clubs beteiligt. Mittlerweile zählt diese Kette acht Standorte.


Die Warehouse Gyms zählen im Premiumbereich zu den besten Anlagen (Bildquelle: © AFROFIT)

Im Premiumbereich gibt es eine Kette namens Warehouse Gym. Die Kette gibt es seit zehn Jahren und sie zählt zehn Standorte. Es ist ein sehr interessanter, segmentierter Markt.

BODYMEDIA: In Deutschland gibt es verschiedene Konzepte, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Wer zählt zu den Mitgliedern in Dubai und den Golfstaaten?

Yves Preissler: Das hat sich über die Jahre verändert. Es kommt auch auf das jeweilige Emirat an. In Kuwait ist Bodybuilding sehr stark. Generell gibt es alle Marktsegmente. Viele Einheimische gehen ins Fitnessstudio, viele Frauen besuchen die Anlagen und seit den letzten drei Jahren gehen auch viele Ausländer ins Studio.

In Dubai sind alle Nationalitäten der Welt vertreten und alle Nationalitäten trainieren bei verschiedenen Anbietern, je nach Preis- und Einkommensklasse. In Saudi-Arabien hingegen findet man Einheimische eher weniger in Fitnessanlagen.

BODYMEDIA: Speziell in Dubai, so scheint es, scheint Geld häufig keine Rolle zu spielen. Wie sehen die Preismodelle in den Fitnessclubs aus?

Yves Preissler: Es gibt alle Preismodelle. Angefangen vom klassischen Discounter bis hin zum Privatclub für mehrere tausend Dirham (AED). Das Segment mit einem Beitrag von monatlich 25 bis 30 Euro wächst sehr stark, wobei sich das Premiumsegment zwischen 150 und 200 Euro bewegen kann.

BODYMEDIA: Vielen Dank für das Interview.
 

Bildquelle Header: © AFROFIT

Der Autor

  • Constantin Wilser

    Constantin Wilser ist seit 2006 in der Fitnessbranche als Redakteur tätig. Davor absolvierte er sein Bachelor-Studium der Sportwissenschaften am KIT in Karlsruhe. Seit 2019 ist er Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktionsteams. Zudem ist er Ansprechpartner für die BODYMEDIA Premium Partner. In seiner Freizeit trainiert der Fußball-Fan gerne im Studio, geht laufen oder fiebert im Fußball-Stadion mit.

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