Physiotherapie

Tipps für die nonverbale Patientenkommunikation

Wir können nicht nicht kommunizieren. Diese Weisheit vom Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick zeigt die Wichtigkeit nonverbaler Kommunikation im menschlichen Miteinander. Für Physiotherapeuten gilt das noch einmal im besonderen Maße.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nonverbale Kommunikation funktioniert über Blicke, Mimik, Gestik, den allgemeinen Habitus sowie die Körperhaltung.
  • Menschen können nonverbale Kommunikation gut anwenden, um die Signale zu senden, die das Gegenüber empfangen soll.
  • In der Patienten-Therapeuten-Beziehung sollte der Therapeut dem Hilfesuchenden eine gewisse Sicherheit und ein positives Gefühl vermitteln.

Nicht nur die Hände von Physiotherapeuten werden während der Behandlung stark belastet, sondern auch die Lippen. In vielen Behandlungen wird rege miteinander gesprochen. Man könnte also davon ausgehen, dass ein großer Teil der Kommunikation mit den Patienten auf einer Sprachebene funktioniert.

Wären Sie überrascht, wenn ich nun sage, dass Schätzungen davon ausgehen, dass bis zu 90 % unserer Kommunikation auf nonverbale Art funktionieren? Damit sind unsere mehr als 5.000 Gesten, ca. 250.000 Gesichtsausdrücke und über 1.000 Körperhaltungen gemeint, die wir einsetzen können. Wenn man also über die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient spricht, sollte man das nicht einfach links liegen lassen.

Wege der nonverbalen Kommunikation

„Wenn Blicke töten könnten“ – ein beliebter Spruch, den jeder von uns schon einmal gehört hat. Er sagt viel über die Wirkungsweise von nonverbaler Kommunikation aus. Wer diesen Blick empfängt, weiß, woran er beim Gegenüber ist. Neben Blicken funktioniert die nonverbale Kommunikation außerdem durch Mimik, Gestik, den allgemeinen Habitus sowie die Körperhaltung. Auch wenn unsere gesprochenen Worte etwas anderes sagen, kann unser Gegenüber durchaus sehen, wie wir ihm wirklich begegnen.

Schauen wir ihn an oder schweift unser Blick zur Seite, rollen wir mit den Augen, wenn wir uns unbeobachtet fühlen, oder starren wir unser Gegenüber an. All das löst beim Gegenüber ein Gefühl aus – positiv wie negativ. Ergänzt wird das durch unsere Mimik. Nach oben zeigende Mundwinkel drücken Freude und Fröhlichkeit aus, Stirnfalten und zusammengezogene Augenbrauen können auf Irritation hindeuten und bemerken wir beim Gegenüber bebende Nasenflügel, lohnt es sich, etwas Abstand zu halten.

Die Gestik ist eine sichtbare Art der nonverbalen Kommunikation. Unsere Hände unterstreichen das Gesagte. Langeweile drückt sich z. B. dadurch aus, dass wir mit den Fingern auf den Tisch klopfen oder unsere Haare darum wickeln.

Einen recht umfangreichen Eindruck vom Gegenüber gibt der Habitus. Hierzu zählen Kleidungsstil, Schmuck, Schuhe und sogar die Frisur. Abschließend kann auch mit der eigenen Haltung kommuniziert werden. Sitzt man eher aufrecht oder gebeugt da, wie sicher ist der Schritt beim Laufen oder auch, ob sich eine Person noch mal strafft, bevor sie auf ihr Gegenüber zugeht.

Insbesondere die letzteren Kanäle sind für die Kommunikation im Behandlungszimmer nicht unbedingt relevant, wenn der Patient den Therapeuten nicht sieht. Durch den Vormarsch der aktiven Therapie wird das wiederum wichtiger, da hier ein besserer Sichtkontakt zwischen Patient und Therapeut entsteht. Man sollte sich also bewusst sein, dass man alleine schon mit seinem Auftreten kommuniziert.

Im nächsten Schritt schauen wir uns etwas konkreter an, wie man nonverbal kommuniziert, bevor wir das am konkreten Alltag eines Therapeuten anwenden.

Das Lächeln des Therapeuten signalisiert Offenheit und Freundlichkeit. Seine Körperhaltung ist locker und entspannt, das schafft Vertrauen(Bildquelle: ©contrastwerkstatt - stock.adobe.com)

Wie wir nonverbal kommunizieren

Menschen, die sich sehr bewusst sind, dass sie zwangsläufig nonverbal kommunizieren, können das mitunter sehr gut anwenden, um die Signale zu senden, die der andere empfangen soll. Wer einen Patiententermin hat, wird wahrscheinlich eher versuchen, ein Lächeln aufzusetzen und Offenheit zu signalisieren, auch wenn seine „echte“ Körpersprache das vielleicht gar nicht wiedergeben würde.

Viele Menschen reagieren recht intuitiv in der nonverbalen Kommunikation, was dazu führt, dass das Gegenüber versteht, wie es der Person tatsächlich geht. Man versteht sie einfach instinktiv. Eigentlich sollte es vollkommen in Ordnung sein, dass es auch einem Therapeuten mal nicht gut geht. Allerdings kann es dem Patienten durchaus helfen, wenn er sieht, dass der Therapeut motiviert, offen und gut gelaunt ist – und das auch noch nach dem 20. Patienten.

Dabei spielen die Blicke eine wichtige Rolle. Wer z. B. ständig auf die Uhr schaut, vermittelt nicht nur Desinteresse, sondern auch Langeweile. Schaut man dem Gegenüber nicht in die Augen, zeugt das ebenfalls von Desinteresse und kann zudem irritieren. Wer hingegen am Gesprächspartner vorbeischaut, vermittelt geringes Interesse an der Person. Das Augenrollen wird als eine starke Abwertung wahrgenommen, was vermutlich mit ein Grund ist, warum es viele nur tun, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.

Ein paar der einfachsten Kommunikationsmöglichkeiten mit der Mimik haben wir uns ja bereits im ersten Teil angeschaut. Hier können wir Menschen mit unseren 250.000 Gesichtsausdrücken uns wirklich austoben. Ein einseitiges Lächeln, zusammengepresste Lippen, hochgezogene Augenbrauen oder auch eine gerunzelte Stirn sind nur ein paar Spielarten der Kommunikation mit der Mimik.

Zusammengekniffene Lippen sind ein Zeichen für innere Anspannung, ein geöffneter Mund signalisiert Erstaunen. Schlagen die Augenlider häufig hoch und runter, kann das ein Zeichen für Unsicherheit sein. Leicht zusammengezogene Nasenlöcher lassen einen gewissen Ekel erkennen.

Wie bereits gesagt, ist die Gestik eine sehr deutliche Form der Körpersprache. Wer die Arme verschränkt, signalisiert Verschlossenheit und Distanz. Offene Arme zeigen vielmehr Offenheit. Häufiges Kratzen am Kopf spricht für Ratlosigkeit, das Greifen an den Hals deutet auf ein gewisses Unwohlsein hin. Als besonders arrogant wird z. B. das Reiben der Hände wahrgenommen, verstecken sollte man sie aber auch nicht, da das auf mangelnde Ehrlichkeit zurückgeführt wird.

Stützen die Hände den Kopf, signalisiert das eindeutig Müdigkeit. Wer sich Gegenstände vor den Körper hält, möchte sich selbst schützen und auf Abstand bleiben.

Der Habitus ist eine Widerspiegelung des eigenen Lebensstils. Teure Uhren und Kleider vermitteln andere Werte als zerzauste Haare und löchrige Schuhe. Je nachdem, in welchen Kreisen man wie wahrgenommen werden will, werden Kleidung, Schmuck und auch der Frisur entsprechende Bedeutungen zugemessen.

Ähnlich der nonverbalen Kommunikation mit den Händen sendet auch die Körperhaltung eindeutig identifizierbare Botschaften. Eine aufrecht sitzende Person vermittelt Sicherheit, haben die Füße zudem noch einen guten Bodenkontakt und sind leicht geöffnet, deutet das auf Gelassenheit und Offenheit hin. Wird der Oberkörper dem Gegenüber angenähert, ist das ein Zeichen für Interesse, entfernt er sich, zeigt es eher Distanz und Desinteresse. Wer sich dynamisch bewegt, spiegelt Elan und Motivation wider.

Ganz im Gegenteil zum schlurfenden Schritt. Ist der Oberkörper leicht nach vorne geneigt und zeigt das Kinn nach oben, deutet das auf Offenheit und Konzentration hin. Man kann auf so viele Arten und Weisen nonverbal kommunizieren. Schauen wir uns aber nun an, welche Bedeutung das für die Physiotherapie hat.

Die Distanz ist ein wichtiges Thema für Therapeuten. Hier hat jeder Patient andere Bedürfnisse (Bildquelle: ©contrastwerkstatt - stock.adobe.com)

Einsatz in der Physiotherapie

Wie kann das nun im Therapiealltag umgesetzt werden? Die bisher beschriebenen Spielarten der nonverbalen Kommunikation lassen sich in vielfältigen allgemeinen Kontexten einordnen und anwenden. In der Physiotherapie ist die Ausgangssituation zwischen Patient und Therapeut allerdings etwas unterschiedlich und nicht unbedingt auf Augenhöhe, was den richtigen Umgang mit der nonverbalen Kommunikation umso wichtiger macht.

Patienten kommen mit Beschwerden und Schmerzen zu uns, sind also Hilfesuchende, die sich mehr oder weniger gewollt und aktiv in die Behandlung begeben, die je nach Beschwerdebild auch unangenehm werden kann. Der Physiotherapeut sollte dem Patienten also auch mit nonverbaler Kommunikation eine gewisse Sicherheit geben. Denn eine positive Körpersprache vermittelt dem Patienten Vertrauen, was für eine erfolgreiche Behandlung wichtig ist.

Patienten offenbaren sich mit ihren Beschwerden und häufig auch mit ihrem Körper in einer Art und Weise, die für viele erst mal unangenehm ist. Die Distanz, die zwei Menschen normalerweise einhalten, gilt hier nicht mehr. Und um ein entsprechendes Vertrauen zu schaffen, hat der Therapeut beim ersten Besuch nur sehr wenig Zeit. Das macht die nonverbale Kommunikation auch so wertvoll, denn sie wird direkt und intuitiv verstanden.

Blöd nur, dass sich das bei schlechtem Verhalten ebenso zeigt. Man kann in der ersten Begegnung mit dem Patienten auch dafür sorgen, dass sich dieser in allen anderen Behandlungen unwohl fühlt.

Auch wenn Notizen wichtig für die Anamnese sind, sollte man nicht zu viele davon machen, sondern dem Patienten eher aktiv zuhören (Bildquelle: ©contrastwerkstatt - stock.adobe.com)

Tipps für den praktischen Alltag

Man hat nur einmal die Chance für einen ersten Eindruck und die sollte man bewusst nutzen. Begrüßt man den Patienten mit Handschlag, sollte dieser passend sein – nicht zu stark und nicht zu schwach. Ersteres schüchtert das Gegenüber ein, letzteres vermittelt Unsicherheit und schafft ganz sicher kein Vertrauen. Wer dem Patienten offen und ehrlich lächelnd ins Gesicht schaut, hat schon mal die erste Barriere gebrochen.

Für das Anamnesegespräch sollte man eine aufrechte Körperhaltung einnehmen, die nicht zu steif ist. Es hat sich bewährt, in einem 90-Grad-Winkel zum Patienten zu sitzen, etwas Abstand sollte gewahrt werden. Der offene Blickkontakt und Zuhören sind sehr wichtig. Notizen sollte man sich nicht zu viele machen – das kann der Therapeut auch nach dem Termin nachholen.

Untersuchungen sollten nicht zu lange dauern und möglichst zielgerichtet ablaufen. Ansonsten kann das zu einem unangenehmen Gefühl beim Patient führen. Verkrampft er sich, sollte darauf reagiert werden. Im Gespräch, aber auch später in der Therapie kann es für den Patienten hilfreich sein, wenn der Therapeut lächelt. Das ist sowieso nie verkehrt.

Fazit

Wir können mit unserer nonverbalen Sprache sehr viel ausdrücken und auch sehen, wie es dem Gegenüber geht. Glücklicherweise verstehen wir nonverbale Kommunikation schnell und intuitiv. Das hilft auch im therapeutischen Alltag, der aufgrund des Patienten-Therapeuten-Verhältnisses etwas anders ist. Hier sollte vor allem der Therapeut darauf achten, wie er dem Patienten begegnet, um diesem ein gutes Gefühl für die Therapie zu geben.

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