Physiotherapie

Der Wert der Weiblichkeit in der Physio-Praxis

Viele starke Frauen behaupten sich erfolgreich in der Physiotherapie. Dennoch ist die Geschäftswelt in Deutschland eine Domäne vermeintlich männlicher Qualitäten: Logik, Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen und ein enorm hoher Leistungsanspruch sind immer noch die gängigen „Schlüssel“ zu Erfolg und Anerkennung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Unternehmen und ihre Mitarbeiter könnten von mehr weiblicher Energie profitieren.
  • Die Kollegen würden eher als organisches Team zusammen arbeiten, anstatt ständig in Konkurenz zueinander zustehen.
  • Vorallem in Physiotherapiepraxen braucht man Intuition, Inspiration und Kreativität um sich in die Patienten einfühlen zu können.
  • Weibliche Energie zeigt sich auch in einem ausgeprägterem Sinn für Ästhetik und Schönheit, was zu einer angenehmeren Praxis-Atmosphäre führen kann.

Um erfolgreich sein zu können, haben sich viele Frauen also männlich deklarierte Stärken angeeignet und diese perfektioniert. Häufig kämpfen Frauen im Job härter und ausdauernder als männliche Kollegen, übernehmen mehr Verantwortung und haben einen höheren Leistungsanspruch.

Neben der Karriere, für die sie ihre Weiblichkeit häufig zurücknehmen, stemmen viele „Power-Frauen“ außerdem ein dynamisches Privatleben, in dem sich die meisten für alles verantwortlich fühlen. Neben Kindern, Haus, Garten und allerlei Projekten sind Frauen häufig auch dafür „zuständig“, den Kontakt zu Freunden und zur Familie zu erhalten und zu pflegen.

Bei dieser Fülle an Aufgaben bleibt oft nichts anderes übrig, als erneut auf die „männlichen“ Qualitäten zurückzugreifen: Planung und Organisation, schnelles Erledigen und konsequentes Entscheiden sind notwendig, um den Alltag zu bewältigen. Wir haben also bereits bewiesen, dass wir die Männer sogar im Bereich „männliche Qualitäten“ abhängen können. Aber zu welchem Preis?

Zeitlicher und emotionaler Druck

Viele Physiotherapeutinnen, gerade wenn sie selbstständig sind und eine Praxis führen, leiden zwar unter dem ständigen Druck, finden aber keinen Ausweg, weil sie glauben, ganz alleine an der Front zu kämpfen. Da alles von ihnen abhängig zu sein scheint, befinden sie sich ständig in Hektik und im Planen oder im Tun.

Unbewusst spüren sie vielleicht, dass sie nicht genug Zeit haben, um sich wirklich in Ruhe um die emotionalen Bedürfnisse von Mitarbeitern und Patienten, Familie oder Freunden zu kümmern (geschweige denn um ihre eigenen). Das führt unbewusst zu einer Form von schlechtem Gewissen, wodurch die Frau nicht nur zeitlich, sondern auch emotional permanent unter Druck steht.

Weibliche Energien sind nach innen gerichtet, subtiler und eher „fühlbar“ als sichtbar, wie z. B. Intuition, emotionaler Ausgleich und einen Sinn für Ästhetik und Schönheit (Bildquelle: ©pololia - stock.adobe.com)

Potenzial wird nicht ausgeschöpft

Im Business fehlt oft weibliche Energie. Vielerorts ist das Geschäftsleben in Deutschland ein hartes, uninspiriertes Haifischbecken. Es wird zwar vermeintlich etwas Neues getan, aber letztlich doch immer auf dieselbe Art und Weise – die männliche. Auch an vielen Arbeitsplätzen im Therapiebereich fehlen echte Gefühle aus dem Herzen, Inspiration und Kreativität. Mit der Konsequenz, dass die Arbeit schwer ist und Menschen nie ihr volles Potenzial ausschöpfen können – verglichen mit dem, was möglich ist.

Wie können weibliche Qualitäten die Physiowelt bereichern?

Heutzutage ist die sogenannte Work-Life-Balance in aller Munde. Menschen möchten sich am Arbeitsplatz wohlfühlen, weniger gestresst sein und durch das, was sie tun, persönliche Erfüllung empfinden. Würden weibliche Qualitäten mehr Platz in der Geschäftswelt finden, würden Menschen viel mehr als enge, sich gegenseitig unterstützende und versorgende Gemeinschaft arbeiten, als ein organisches Team.

Mit erfüllender Arbeit hätten Mitarbeiter auch nach einem langen Arbeitstag abends mehr Energie zur Verfügung als am Morgen. Dafür müssten wir im Job den beiden weiblichen Ebenen, also der emotionalen und der intuitiven, die gleiche Aufmerksamkeit schenken, wie wir das bei den männlichen, also der mental-logischen und der materiellen Ebene, tun.

Klingt unrealistisch? Ist es aber nicht! Vorab sei gesagt, dass Männer und Frauen beide jeweils über männliche und weibliche Energie verfügen und somit – unabhängig vom Geschlecht – männliche und weibliche Stärken besitzen. Männliche Energien und Qualitäten sind meist nach außen gerichtet, messbar und greifbar wie etwa Logik, Zielorientierung, aktives Handeln, etc. Weibliche Energien sind nach innen gerichtet, subtiler und eher „fühlbar“ als sichtbar, wie beispielsweise folgende:

Intuition

Wirklich starke Visionen und Innovationen kommen nie aus dem logischen Verstand, der ja nur neu zusammenfügen kann, was er schon von irgendwo her kennt, sondern zeigen sich in Geistesblitzen und Eingebungen. Diese können nicht erzwungen oder erarbeitet werden, der Mensch kann sich lediglich dafür öffnen und sie „empfangen“. Die Intuition ist also eine typisch weibliche Qualität.

Ihr Nutzen: Durch eine starke Intuition bleiben Sie mit dem Zeitgeist verbunden. Nur so können Sie für Ihre Patienten sinnvolle Lösungen entwickeln und sich als Physiotherapeut:in vorausschauend am Markt platzieren, anstatt nur bestehenden Trends hinterherzujagen.

Eine angenehme Atmosphäre in der Praxis liefert mehr Energie. Mitarbeiter und Patienten fühlen sich automatisch wohl(er). Frauen schaffen das oft besser (Bildquelle: ©pololia - stock.adobe.com)

Emotional ausgleichen und versorgen

Bis heute ist diese Qualität verbunden mit „Dienen“ oder gar „Kochen“, weshalb sie gerade von Frauen besonders stark abgelehnt wird. Die wirkliche Stärke, andere „erfüllen zu können“, liegt jedoch auf der emotionalen Ebene. Weibliche Energie ist in der Lage, negative Gefühle zu transformieren und ihr Umfeld emotional zu ernähren. Das hat nichts mit Aufopferung zu tun! Oder mit Essen! Geschieht das emotionale Versorgen als ganz bewusster Prozess, gewinnt auch die Frau Energie dabei, ohne von der Anerkennung und Bestätigung der „Ernährten“ abhängig zu sein.

Ihr Nutzen: Ängsten und Sorgen der Mitarbeiter wird oft keine Beachtung geschenkt. Dabei ist genau das der Punkt, der einer Praxis wertvolle Lebensenergie raubt und das Team ausbremst. Die bewusste Wahrnehmung und Transformation der Gefühle können zu deutlich mehr Strahlkraft und Leistungsfähigkeit verhelfen.

Prozessorientierung und Umsichtigkeit

Während die männliche Qualität sich zielorientiert und impulsivausdrückt, liegt die weibliche Stärke in der Hingabe an den Prozess, das Entstehenlassen. Dabei ist das Weibliche umsichtig, weitsichtig und einbeziehend. Ihr Nutzen: Es herrscht Ruhe statt Hektik. Die Kollateralschäden bei der schnellen Jagd nach Erfolgen werden minimiert. Ein ganzheitliches Arbeiten fördert die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Patienten. Durch den Genuss bei der Arbeit steigt die Motivation dauerhaft.

Empfangen und annehmen können

Im Geschäftsleben herrscht nach wie vor das Glaubensmuster „Nur wer leistet, wird geliebt“. So machen wir es uns oft (unbewusst) absichtlich schwer, damit wir abends stolz davon erzählen können, was wir alles bewältigt haben. Indem wir das weibliche „Empfangen“ wieder gesellschaftstauglich machen, können wir lernen, Erfolg und Fülle ganz leicht und natürlich zu erlauben, ohne uns dafür schämen zu müssen. Diese Qualität ist das „Gegengift“ für den Stress unserer Leistungsgesellschaft.

Ihr Nutzen: Erfolge entstehen nicht mehr durch harte Arbeit, sondern aus inspiriert-schöpferischen Prozessen. So bleiben die Mitarbeiter auch in dynamischen Zeiten „in ihrer Kraft“. Fluktuation und Krankheitsausfälle werden minimiert.

Sinn für Ästhetik und Schönheit

Während das männliche Prinzip eher Praktisches, Funktionales bevorzugt, ist die weibliche Qualität auf Ästhetik und Schönheit ausgerichtet. Der Nutzen: Eine angenehme Atmosphäre in der Praxis liefert mehr Energie. Mitarbeiter und Patienten fühlen sich automatisch wohl(er). Ist diese Qualität vorhanden, erfreut dies die Herzen und macht natürlich Lust darauf, sich behandeln zu lassen.

Die Integration weiblicher Qualitäten ins Business hätte also nicht nur persönliche Vorteile für uns Frauen, sondern auch für jede einzelne Physio-Praxis, die sich durch die hohe Energie und Strahlkraft ein echtes Alleinstellungsmerkmal sichert.

Bildquelle: ©pololia - stock.adobe.com

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