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Management

"Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder!"

Frauen in Führungspositionen gehören in der Fitnessbranche nach wie vor eher zu den Ausnahmeerscheinungen. Alexandra Plaza ist Geschäftsführerin des Kader1 in Köln und spricht über ihre Erfahrung als Geschäftsführerin und die Chancen von mehr weiblicher Führung.

BODYMEDIA: Du führst nun seit 1,5 Jahren das Kader1 als Geschäftsführerin. Wie war dein Weg bis hierhin?

Alexandra Plaza: Ich komme aus der Leichtathletik, genauer gesagt, dem Hochsprung. Daher kam ich früh mit dem Krafttraining in Berührung, um meine Leistungen zu verbessern. Trotz guter Leistungen kann man in Deutschland nicht davon leben. Also habe ich begonnen, im Neptunbad, hier in Köln, als Fitnesstrainerin zu jobben. Nach etwa drei Jahren bekam ich mit, wie sich zwei der Personal Trainer dort mit einem sehr auf das Training fokussierten Konzept selbstständig machen wollten. Das war für mich interessant und daher habe ich mich den beiden angeschlossen, zuerst als Fitnesstrainerin, später dann als Assistenz der Geschäftsleitung. Zwar war das nicht mein Spezialgebiet, aber ich konnte mich da gut reinarbeiten. Das muss gut geklappt haben, denn ungefähr ein Jahr später wurde ich gefragt, ob ich nicht Geschäftsführerin werden möchte. Für mich gab es dann nur eine klare Antwort und die war: ja. Viele der Abläufe und vor allem Herausforderungen kannte ich schon, weil ich früh mit in die Entscheidungsprozesse miteinbezogen wurde. Es sprach also viel dafür, dass ich diese Position übernehme.

BODYMEDIA: Eine Frau als Geschäftsführerin eines Fitnessstudios ist nach wie vor selten – nach wie vor dominieren Männer die Entscheidungsbereiche. Hast du einen Erklärungsansatz, warum das so sein könnte?

Alexandra Plaza: Als wichtigsten Punkt sehe ich die historische Entwicklung an. Frauen kamen erst verhältnismäßig spät zum Sport und so entwickelte sich die Fitnessbranche eher als Männerdomäne, während andere Bereiche, wie z. B. der pädagogische Bereich, stark von Frauen geprägt wurden. Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich diese Grenzen etwas auflösen. Zudem wird in Familienunternehmen, was wir in der Fitnessbranche ja auch haben, traditionell die Unternehmensführung tendenziell häufiger an die Söhne weitergegeben und nur in Ausnahmefällen an die Töchter – meist sogar unabhängig von der Kompetenz.
Nachdem ich die Stelle dann übernommen hatte, wurde ich hauptsächlich von Männern darauf angesprochen, ob ich wisse, welche Verantwortung ich nun habe und was mit der Position alles zusammenhängt. Und ja, natürlich war mir das klar. Ich hatte vorher schon so viele Einblicke durch meine vorherige Rolle bekommen, dass ich das gut einschätzen konnte. Witzigerweise fanden die Frauen, denen ich das erzählt habe, das total toll und haben mich bestärkt.

BODYMEDIA: Denkst du, das Kader1 hat sich anders entwickelt, seitdem du die Geschäftsführung hast? Kann man deine weiblichen Führungshände in der Entwicklung des Unternehmens erkennen?

Alexandra Plaza: Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, ich konnte meine Ideen ja in meiner vorherigen Position ebenfalls einbringen. Zudem haben wir ein Team, in dem viele Frauen arbeiten.

BODYMEDIA: Und generell gefragt: Führen Frauen anders?

Alexandra Plaza: Bei der Beantwortung dieser Frage sollten wir uns weniger am Geschlecht orientieren als vielmehr an der Führungspersönlichkeit. Weiblichen Führungspersonen wird oft eine empathische Führung zugeordnet – das können Männer aber genauso und dem Klischee nach denken Männer nur in Zahlen, worin Frauen sicherlich nicht schlechter sind, ihnen aber weniger zugestanden wird. Daher denke ich nicht, dass Frauen anders führen – es hängt einfach von der Persönlichkeit der Person ab. Letztlich macht es für ein Unternehmen am meisten Sinn, die kompetenteste Person für eine Führungsperson auszuwählen, unabhängig vom Geschlecht.

BODYMEDIA: Welche Chancen und Möglichkeiten siehst du, diese Denkmuster in der Fitnessbranche zu verändern?

Alexandra Plaza: Das Hauptproblem ist, dass sich viele Frauen noch gar nicht in der Position sehen, Führungsverantwortung zu übernehmen. Da müsste man auf jeden Fall ansetzen. Eine noch viel frühere Chance sehe ich beim Schulsport. Wenn er überhaupt stattfindet, wird dieser auf wenige Ballsportarten reduziert. Vielen wird eine Karriere im Sport also gar nicht nähergebracht. Dazu müsste der Schulsport viel breiter aufgestellt werden, u. a. mit Aufklärung, warum es wichtig ist, Sport zu machen, und welche Möglichkeiten es später im Beruf gibt. Dann könnte man sicherlich einige weibliche Schülerinnen für die Arbeit in der Fitnessbranche motivieren.


BODYMEDIA-Redakteure Jonathan Schneidemesser und Sarah-Lea Kuner besuchten Alexandra Plaza (m.) im Kader1 in Köln (Bildquelle: © Urban Sports Club)

Meiner Erfahrung nach haben Mädchen eine größere Hemmschwelle, ins Fitnessstudio zu gehen, wohingegen es für viele Jungs ja schon zum guten Ton gehört. Wenn die Branche hier Berührungsängste nehmen kann, werden sich mehr Mädchen und Frauen für Berufe in der Branche interessieren, was zu einer höheren Durchdringung in Führungspositionen führen kann.

Bei manchen hängt das sicherlich auch vom Alter ab. Viele Ältere sind noch mit klareren Rollenbildern aufgewachsen, sodass es für sie ungewohnt ist, Frauen in Verantwortungspositionen zu sehen. Frauen arbeiten in Fitnessstudios häufig gar nicht in Bereichen, in denen sie zur Geschäftsführerin aufsteigen können. Hier sollte die Branche allerdings umdenken und Frauen einfach mal die Chance geben, sich zu beweisen. Aber letztlich sollte man auf jeden Fall der Person den Vorzug geben, die am besten dafür geeignet ist. An der Struktur in der Branche wird sich allerdings wenig ändern, wenn Frauen weniger oder sogar keine Chancen bekommen. Was mir geholfen hat, war, dass ich durch unsere Gesellschafter gefördert und unterstützt wurde und immer noch werde. In solch einer verantwortungsvollen Position werden immer wieder Fehler passieren, die man auch machen können muss, und da hilft es auf jeden Fall, wenn man jemanden hat, der einem zur Seite steht.

BODYMEDIA: Siehst du eine Frauenquote in der Fitnessbranche als realistisches Modell an?

Alexandra Plaza: Von solchen Maßnahmen halte ich nichts, denn da kann es schnell passieren, dass man eine möglicherweise besser geeignete männliche Person abweisen muss, nur um die Quote zu erfüllen.

BODYMEDIA: Ist es für Frauen vielleicht uninteressanter, ein Fitnessstudio zu führen?

Alexandra Plaza: Dafür sehe ich eigentlich keinen Grund. Natürlich ist Fitness noch sehr sexuell behaftet und gerade Fitnesstrainerinnen müssen sich der Tatsache stellen, dass sie sexualisiert werden, was durchaus abschreckend sein kann. Das Problem ist in der Fitnessbranche sicherlich präsenter als in anderen Branchen, vor allem, weil es viel ums Körperformen geht. Es muss sich tiefer in der Gesellschaft verankern, dass man Fitnesstraining vielleicht nicht nur macht, um anderen Leuten zu gefallen, sondern z. B. um sich in seinem Körper wohler zu fühlen oder gesund zu sein.

Dem kann man begegnen, indem das Trainerteam sich aus beiden Geschlechtern zusammensetzt und allen klar ist, dass alle die gleichen bzw. ähnlichen Kompetenzen haben, sodass es nicht zu einer Diskriminierung der weiblichen Trainer kommt. Dann müssen Mitglieder einfach am eigenen Leib erfahren, dass ihnen eine Trainerin an die Seite gestellt wird, die mindestens genauso kompetent ist wie ihre männlichen Kollegen.


Fokus aufs Training – Im Kader 1 herrscht eine Atmosphäre, wo sich jeder aufs Training konzentriert und wohlfühlen kann (Bildquelle: © Urban Sports Club)

Wir schaffen bei uns im Fitnessstudio eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen können und sich alle gegenseitig so akzeptieren, wie sie sind. Jeder konzentriert sich so sehr auf sein Training, dass wir mit Gaffen oder Sexismus überhaupt keine Probleme haben. Wir werden hier also auch keine reinen Frauen- oder Männerkurse einführen. Das schaffen wir alles über die Atmosphäre. Meiner Ansicht nach sollte das auch der Anspruch eines Betreibers sein.

Bei uns im Trainerteam müssen wir schon eher wieder aufpassen, als Nächstes einen Mann einzustellen, weil schon viele Frauen bei uns arbeiten. Wir bekommen recht viele Initiativbewerbungen, zum Großteil von Frauen, weil wir hier so eine schöne Atmosphäre haben und man sich als Frau einfach wohlfühlen kann. 

BODYMEDIA: Welche Einflussmöglichkeiten haben Frauen in der Fitnessbranche?

Alexandra Plaza: Frauen können hier sicherlich viel bewirken. Das beginnt bei der Sprache und dem Umgang miteinander beim Training bis hin zur Außendarstellung. Da sollten nicht nur gut trainierte Frauen abgebildet werden, sondern auch Männer und vielleicht auch mal Personen, die vielleicht nicht dem Fitness-Idealbild entsprechen. Wir brauchen auf jeden Fall mehr weibliche Vorbilder in der Fitnessbranche!

BODYMEDIA: Vielen Dank für das spannende Interview!

Bildquelle Header:: © Urban Sports Club

Der Autor

  • Alexandra Plaza

    Alexandra Plaza ist seit Februar 2021 Geschäftsführerin des Kader1, in dem der Sport in seiner reinsten Form vermittelt wird. Als Hochspringerin konnte sie in der Vergangenheit diverse Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene verzeichnen. Mit dem Kader1 ist sie langjähriger Partner vom Urban Sports Club. Die Partnerschaft bietet für sie viele Vorteile und sie möchte sie nicht mehr missen.

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