Management

Übernahme, Sanierungsstau, Erfolg – Alexander Sosa von Sports Club im Interview

Vor etwas über einem halben Jahr hat die Sports Club-Kette aus Norddeutschland das 5.000 m² große ehemalige Fitness & Friends-Fitnessstudio in Hamburg-Wandsbek übernommen und daraus den Sports Club Wandsbek gemacht. BODYMEDIA hat mit Geschäftsführer Alexander Sosa gesprochen – über die Übernahme, die Herausforderung der Sanierung und Pläne für die Zukunft.

BODYMEDIA: Wie kam es zu der Übernahme des Fitness and Friends im vergangenen Jahr?

Alexander Sosa: Ich wurde zu Beginn des Jahres von einem Insolvenzverwalter über den Verkauf der Fitnessanlage Fitness & Friends, ein ehemaliges Elixia-Studio, informiert. Das Unternehmen war in Folge der Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und die Betreiber hatten Insolvenz angemeldet. Ich habe mir das Unternehmen angeschaut und festgestellt, dass es einen erheblichen Sanierungsstau gab. Das Studio war 2003 erbaut worden und sah im Grunde genommen noch genauso aus. Natürlich sind noch weitere bekannte Ketten über die Insolvenz informiert worden, aber keiner wollte das Studio übernehmen. Es war einfach zu groß, zu alt und zu teuer bzw. eine Sanierung zu kostspielig. Außerdem verfügt es über ein 25-m-Schwimmbad – in Zeiten hoher Energiekosten ist das auch nicht gerade ein Anreiz.

neuer sports club wandsbekMitglieder finden auf 5.000 m² Platz für das Training (Bildquelle: © Sports Club)

BODYMEDIA: Wie lief die Übernahme konkret ab?

Alexander Sosa: Eine meiner größten Stärken und zugleich vielleicht auch größten Schwächen ist es, schnelle Entscheidungen zu treffen. Ich habe den Sanierungsaufwand kurz überschlagen und ein Gebot abgegeben, welches – vermutlich mangels Alternativen – akzeptiert wurde. Wir haben das Studio dann im Mai vergangenen Jahres übernommen. Wie sehr ich mich hinsichtlich der Sanierungskosten jedoch noch irren sollte, war mir zum damaligen Zeitpunkt noch nicht bewusst. Ich war lediglich fasziniert von der schieren Größe der Fläche von 5.000 m² und habe vor meinem geistigen Auge schon das fertige Studio gesehen, in modernem Design und mit neuester Gerätetechnologie. Auch das Schwimmbad hatte es mir als Schwimmer angetan. Heute baut kaum noch jemand große Schwimmbäder, um so wertvoller wäre der Erhalt eines bestehenden, fand ich.

BODYMEDIA: Welche Herausforderungen brachte die Übernahme konkret mit sich?

Alexander Sosa: Der größte Fehler bei einer Übernahme oder einem Neubau ist es, die tatsächlichen Baukosten zu unterschätzen. In meinem Fall die Sanierungskosten. Ich hatte eine Summe von 1,5 Millionen Euro einkalkuliert, am Ende waren es dann 3,3 Millionen Euro. In den unsichtbaren Zwischendecken war ein riesiger Wasserschaden vorhanden, der sich über die gesamte Fläche hinzog und wir mussten bis auf den Estrich das gesamte alte Studio zurückbauen und neu aufsetzen. Der Vermieter hatte sich über geschickte Vertragsklauseln der Verantwortung entzogen. Der Umbau erfolgte dann bei laufendem Betrieb. Denn hätten wir nach der Insolvenz, die für die Mitglieder schon aufreibend genug war, das Studio noch längere Zeit geschlossen, wäre der verbliebene Mitgliederstamm vermutlich gänzlich verloren gegangen. So ging es vier Monate ziemlich staubig zu und wir haben stetig neue Trainingsbereiche geschaffen, während wir nebenan gebaut haben.

training sports club wandsbekMittlerweile trainieren 5.200 Mitglieder in Wandsbek. Vor Übernahme waren es 2.800. (Bildquelle: © Sports Club)

BODYMEDIA: Konnte planmäßig eröffnet werden?

Alexander Sosa: Ja, wir haben nach vier Monaten Umbau planmäßig Anfang September 2023 eröffnet. Das geht bei einer so großen Fläche aber auch nur, wenn alle Gewerke aufgrund anderer Bauaktivitäten stets verfügbar sind.

BODYMEDIA: Wie hat sich die Mitgliederzahl seitdem entwickelt?

Alexander Sosa: Wir hatten das Studio mit 2.800 Mitgliedern im Mai 2023 übernommen und liegen aktuell bei 5.200 Mitgliedern.

BODYMEDIA: Das hört sich nach einem Erfolg an. Was würden Sie in der Rückschau anders machen?

Alexander Sosa: Ja, es war ein Erfolg, wenn auch teuer erkauft. Es wäre vermutlich ratsamer gewesen, die Fläche mit einem Immobilien-Fachmann auf Herz und Nieren auf versteckte Mängel hin zu überprüfen. Wichtig ist auch immer, die eigene finanzielle Situation genau zu überprüfen. Da wir eine Kette sind und über entsprechende finanzielle Ressourcen verfügen, konnten wir eine solche Entscheidung einfacher treffen. Wäre es meine erste Anlage gewesen, hätte es mir vielleicht das Genick gebrochen.

ein neuer sports club in der hamburger hafencityNeues Projekt: Der Sports Club HafenCity entsteht in dem zweiten Gebäude von rechts mit Panorama-Elbblick (Bildquelle: © Sports Club)

BODYMEDIA: Welches ist Ihr nächstes Projekt?

Alexander Sosa: Aktuell bauen wir in dem neu entstehenden Einkaufszentrum Westfield Hamburg-Überseequartier unser 13. Fitnessstudio mit Panorama-Wasserblick. Ein sehr spannendes Projekt. Bei dem Überseequartier handelt es sich nicht nur um ein neues Einkaufszentrum, sondern um einen ganzen Stadtteil in der Hamburger HafenCity mit vielen neuen Wohnungen, Hotels und einem Kino. Am 25. April ist Eröffnung.

BODYMEDIA: Vielen Dank für das Gespräch.

Bildquelle: © Sports Club

Der Autor

  • Dennis Bechtel

    Dennis Bechtel studierte Germanistik und Anglistik an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Er arbeitete als freier Journalist und Texter in NRW und war u.a. als Marketing Specialist mit dem Schwerpunkt PR in einem Konzern tätig. Seit 2023 ist er Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktionsteams. Er verfügt über eine Fitnesstrainer B-Lizenz und spielt leidenschaftlich gern Tennis.