Management

Interview mit Patrik Meier, COO Kieser Training AG

Wie haben eigentlich große Unternehmen der Fitness- und Gesundheitsbranche auf die Folgen der Corona-Pandemie reagiert und mit welcher Strategie wollen sie die Krise bewältigen? Über diese und weitere Themen haben wir mit Patrik Meier, COO Kieser Training AG, im Interview gesprochen.

BODYMEDIA: Wie haben die Verantwortlichen von Kieser Training auf die Schließung der Anlagen aufgrund der Corona-Pandemie reagiert? Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Mitglieder halten zu können und welche Auswirkungen hatten
die Schließungen für das Personal?
Patrik Meier: Zusammen mit unseren Geschäftspartnern haben wir unter Berücksichtigung der behördlichen Vorgaben und des bestehenden Hygiene- und Sicherheitskonzeptes die Kieser Training-Studios weltweit sehr geordnet geschlossen. Dazu hatten wir einen Krisenstab einberufen, der bis vor Kurzem alle Geschicke geführt hat: während der Phase der Schließung, der Phase der geschlossenen Studios und der Phase der Wiedereröffnung. Die Kunden wurden über verschiedene Kommunikationskanäle jeweils lagegerecht informiert. Zusätzlich haben wir unsere Online-Präsenz intensiviert und den Kunden Übungen für
zu Hause sowie Artikel zur Wissensvermittlung, einen Podcast und einen überarbeiteten Newsletter zur Verfügung gestellt. Der Großteil des Personals war bis zur Vorbereitung der Wiedereröffnung in Kurzarbeit.

BODYMEDIA: Viele Studiobetreiber haben während den drei Monaten, als die Studios geschlossen waren, ihre Studios renoviert und Mitarbeiter geschult. Wie wurde bei Kieser Training die Zeit genutzt?
Patrik Meier: Neben Renovierungen und Wartungsarbeiten haben wir uns auf die Kundenkommunikation und die Weiterbildung der Mitarbeiter fokussiert. Insbesondere in der Vorbereitung auf die Wiedereröffnung konnten wir mittels e-Learning alle Führungskräfte und Instruktoren auf die angepassten Hygiene- und Sicherheitsvorschriften vorbereiten.

BODYMEDIA: Das Thema Kompensationsleistungen war (und ist noch immer) ein großes Thema. Welche Optionen wurden den Kieser-Mitgliedern geboten und wie wurden diese angenommen?
Patrik Meier: Unsere Kunden haben für die Dauer der Schließung eine Zeitgutschrift erhalten. Dies wurde von unseren Kunden sehr geschätzt.

 

 

BODYMEDIA: Die Termine für den Re-Start sowie die jeweiligen Verordnungen und Auflagen waren und sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Welche konkreten Folgen hatte das für Kieser Training als bundesweit agierendes Unternehmen und wie bewerten Sie persönlich die Vorgehensweise der Bundesregierung bzw. der jeweiligen Landesregierungen?
Patrik Meier: Analog zur Phase der Schließung haben wir auch in der Phase der Wiedereröffnung gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern und Mitarbeitern in den Studios vor Ort laufend die unterschiedlichen regionalen und lokalen Informationen
verfolgt, beurteilt und mit unseren vorbereiteten Konzepten abgeglichen. Dies tun wir jetzt noch, da sich die Lage ja immer wieder verändern kann. Dies tun wir übrigens weltweit für die über 160 Kieser Training-Studios. Aufgrund der unterschiedlichen Vorgehensweisen, Vorgaben und Zeitplanungen war es eine komplexe Situation. Aber unsere Organisation konnte damit sehr gut umgehen.

BODYMEDIA: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise für Ihr Unternehmen und mit welcher Strategie wollen Sie die Krise meistern?
Patrik Meier: Die Auswirkungen sind offensichtlich. Basierend auf der Nutzung der staatlich angebotenen Unterstützung sowie auf einer konsequenten Kostenkontrolle stehen die Sicherung der Liquidität und die Stabilisierung der Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Im Tagesgeschäft fokussieren wir uns auf die strikte Einhaltung unseres Hygiene- und Sicherheitskonzeptes, damit all unsere Kunden ohne Sorge in unseren Studios trainieren können. Dabei unterstützen unsere Instruktoren die Kunden mit Abstand und höchster Sorgfalt darin, die während des Lockdowns verlorene Muskelmasse und Kraft wieder aufzubauen. Diese Nähe zum Kunden trotz Berücksichtigung der Abstandsregeln bleibt eines unserer Unterscheidungsmerkmale vom Rest der Branche. Bei Kieser Training zielt alles darauf, die Körperzusammensetzung in Richtung Muskelmasse zu verschieben und damit viele Zivilisationserkrankungen wie Rücken- und Nackenschmerzen, Knieschmerzen, Hüftbeschwerden, Diabetes Mellitus Typ 2, Bluthochdruck etc. vorzubeugen oder aktiv dagegen anzugehen. Ein fundiertes, effizientes, gesundes und sicheres Training mit maximalem Nutzen ist und bleibt für uns das A und O.

BODYMEDIA: Die Situation war und ist für viele Fitnessstudiobetreiber existenzbedrohend. Welche konkreten Auswirkungen wird die Corona-Krise für die Fitness- und Gesundheitsbranche allgemein und für Ihr Unternehmen haben?
Patrik Meier: Aus meiner Sicht wird das Bewusstsein der Menschen in Bezug auf die persönliche Gesundheit noch einmal steigen. Die individuellen Maßnahmen werden dabei sicher sehr unterschiedlich aussehen. Dies ist stark altersabhängig. Für die Zielgruppe der Fitnessstudios wird dies andere Bedeutung haben als für die Zielgruppe von Kieser Training. Unserer Zielgruppe wird wahrscheinlich noch stärker bewusst werden, welche Rolle die Muskulatur für Gesundheit und Wohlbefinden und ein aktives und autonomes Leben spielt und welche Rolle ein wirksames Krafttraining in diesem Zusammenhang inne hat. Ab dem 25. Lebensjahr geht es bekanntlich mit Muskelmasse und -kraft bergab, wenn wir nichts dagegen tun. Tatsächlich ist Muskelschwäche Auslöser vieler Probleme. Diesen Problemen will unsere Zielgruppe vorbeugen oder will sie lösen und zwar in einer ruhigen, konzentrierten Atmosphäre und mit Hilfe professioneller Begleitung. Im Fitnessmarkt rechne ich mit Schließungen und oder Übernahmen kleinerer Studios und Gruppen.

BODYMEDIA: Vielen Dank für das Interview.

Der Autor