Management

Herausforderung: Stress meistern

Ständige Erreichbarkeit, zu viel Arbeit, wachsender Leistungs- und Zeitdruck. Das sind nur einige Beispiele, die im Job und Privatleben stressen und die Leistungsfähigkeit mindern. Um mit diesen Belastungen angebracht umgehen zu können, benötigt man eine innere, psychische Widerstandskraft – die sogenannte Resilienz. Wie sich diese gezielt im Arbeitsalltag umsetzen lässt und wie man sie trainieren kann, lesen Sie hier.

An manchen Tagen folgt eine stressige Situation der nächsten, sicher kommt Ihnen das bekannt vor. Mal steht ein wichtiger Termin an, während Sie damit beschäftigt sind, den Wasserrohrbruch in Ihrem alten Studio zu beheben, dann sind auch noch drei Ihrer Mitarbeiter krank und können sich nicht um die geplante Neueröffnung ihres Clubs kümmern. Zugegeben, man muss nicht immer gleich in solch einer verzwickten Lage stecken, um gestresst zu sein. Manchmal reichen auch kleine spontane Abweichungen im Terminplan, um in Zeitdruck zu geraten, doch zu viel Stress sorgt für eine Reizüberflutung, die es schwer macht, sich zu konzentrieren und nicht in Hektik zu verfallen. Trotz dieser Belastung gibt es jedoch auch Menschen, die es trotz der angespannten Situation schaffen, ruhig und gelassen zu bleiben, um sich weiterhin auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Sie besitzen eine hohe Resilienz und sind somit in der Lage, diesen Stresssituationen aufgrund ihrer vorhandenen Fähigkeiten positiv gegenüber zu stehen.

Was genau ist Resilienz?
Der Begriff Resilienz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie ‚abspringen‘, ‚zurückspringen‘. Ein Mensch mit hoher Resilienz lässt somit seinen Stress und Unmut einfach an sich abprallen, um auch in schwierigen Situationen weiterhin klar denken und vernünftig handeln zu können. Der Stress kann so in ein positives Vorantreiben und in eine Herausforderung, die es zu bewältigen gilt, um gewandelt werden. Und das selbst dann, wenn die Möglichkeit eines Rückschlages besteht. Wer über Resilienz verfügt, ist sich dessen bewusst und weiß auch, dass er selbst über sein Handeln und seine Lebenseinstellung bestimmen kann. So ist es ihm möglich, sich durch seine innere Einstellung schneller von Leid und Misserfolg erholen und Stress reduzieren zu können. Insgesamt gibt es sieben Variablen, welche die Resilienz eines Menschen positiv beeinflussen – die sogenannten Resilienzfaktoren.

Akzeptanz 
Punkt eins ist die Fähigkeit, vergangene und aktuelle Erfahrungen anzunehmen und sich mit Dingen oder Situationen, die nicht zu ändern sind, abzufinden. Zudem sind sich resiliente Personen bewusst, was in ihrem eigenen Einflussbereich liegt. 

Optimismus 
Resiliente Menschen verfügen über ein positives Selbstbild und sind in der Lage, den positiven Aspekten im Leben mehr Raum zu geben als den negativen. Sie können die eigenen Gefühle kontrollieren, sodass die Reaktionen auf einen Konflikt bewusst gesteuert werden.

Selbstwirksamkeit 
Selbstwirksamkeit erzeugt das Gefühl, sich auf die eigenen Stärken verlassen zu können und die eigenen Bedürfnisse zu kennen. Das Handeln wird nach diesen Faktoren ausgerichtet, statt sich von äußeren oder inneren kontraproduktiven Prozessen leiten zu lassen.

Eigenverantwortung 
Eigenverantwortung ist die Fähigkeit, die eigenen psychischen und körperlichen Grenzen zu kennen und sich und das eigene Handeln gewissenhaft durchzuführen.

Netzwerkorientierung 
Diese Fähigkeit stärkt die Bindung zu anderen, um ein stabiles soziales Netzwerk aufzubauen und sich in Problemsituationen Unterstützung zu holen.

Lösungsorientierung 
Dies bedeutet, die eigenen Werte zu kennen, sich bei der Auswahl geeigneter Lösungen an diesen zu orientieren und den Fokus auf das zu richten, was einen weiterbringt. Resiliente Menschen haben deshalb die Fähigkeit, Herausforderungen als Chancen zu betrachten.

Zukunftsorientierung 
Zukunftsorientierung ist die Fähigkeit, kurzfristige Impulse zugunsten längerfristiger Ziele zu kontrollieren und eine klare Vorstellung von der eigenen Zukunft zu haben.

 

 

Wie wichtig ist ein gewisser Grad an Resilienz bei Führungskräften?
Resilienz ist ein Begriff, der einem immer öfter in Zusammenhang mit psychischen Belastungen im Arbeitsalltag begegnet. Der Stress als Chef kann viele Ursprünge besitzen: ob Druck von außen, zu hohe Erwartungen, befristete Verträge, Überforderung oder Konflikte mit Kollegen. Hinzu kommt, dass bei vielen Menschen die Grenze zwischen Privatleben und Beruf durch die ständige Verfügbarkeit verwischt und Nine-To-Five-Jobs nicht immer der Regel entsprechen. Kein Wunder also, dass Stress mittlerweile einer der häufigsten Gründe ist, warum ein Arbeitsplatz krank machen kann. Dies sollte man nicht unterschätzen, denn auch wenn man das Tempo einige Zeit durchziehen kann, fehlen dem Körper eines Tages die Kraftreserven und die eigene Gesundheit sowie Produktivität leiden darunter. Deshalb haben Resilienzforscher sich mit der Frage beschäftigt, wie Arbeitnehmer unter diesen Bedingungen gesund bleiben können. 

Laut einer Studie1 zeigen resiliente Menschen mehr Leistungsfähigkeit, sind emotional gestärkter und erleiden seltener psychosomatische Erkrankungen. Zudem weisen Mitarbeiter, die sich herausfordernde Ziele setzen und diese optimistisch angehen, eine höhere Zufriedenheit am Arbeitsplatz auf. Auch Kontrolle ist ein wichtiger Themenpunkt: Menschen, die im Job das Gefühl der Kontrolle über ihr Handeln besitzen und gleichzeitig eine Orientierung durch ihre Vorgesetzten erhalten, besitzen einen höheren Resilienzquotienten. Auch die Verknüpfung zwischen der Qualität und dem Entgegenkommen der Führungskraft mit der Gesundheit und Zufriedenheit des Mitarbeiters am Arbeitsplatz wurde bestätigt.

Darum lohnt es sich, das Thema Resilienz und Stressmanagement im Betrieb wichtig zu nehmen und Mitarbeitern sowie Führungskräften die Chance zu geben, diese zu stärken. Führungskräfte sollten ihre Fähigkeiten, Mitarbeiter zu führen, ausbauen und Ziele für das gemeinsame Arbeiten verfolgen, um deren Selbstwirksamkeit – die Überzeugung, auch schwierige Konflikte und Herausforderungen selbst erfolgreich bestehen zu können – aufzubauen. Zudem sollten die Führungskräfte den Mitarbeitern und Kollegen auch genügend Freiräume für Eigeninitiative stellen, damit auch diese das Gefühl der Kontrolle über ihre Aufgaben behalten. Dabei ist es wichtig, dass die Mitarbeiter dabei unterstützt werden, ihre Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und dass nicht zu viele Freiheiten eingeräumt werden, sonst könnte eine Laissez-faire-Haltung entstehen.

Wie funktioniert Resilienztraining?
Resilienz kann man erlernen. Schon in der Kindheit entwickelt sich diese Fähigkeit und wird durch unsere Erfahrungen geprägt. Kinder, die ein positives Selbstkonzept von ihrer Familie mit auf den Weg bekommen haben, konnten lernen, dass negative Situationen als Herausforderung betrachtet werden können. Ihnen fällt es leichter, sich diesen Szenarien aktiv zu stellen. Somit lernen sie, als Erwachsene stressresistenter zu werden, denn wer sich dessen bewusst ist, dass er sein Leben effizient und angemessen lenken kann, wird weniger Probleme dabei haben, Stress und Konfliktsituationen zu bewältigen.
 
Auch Erwachsene können ihre Selbstwirksamkeit trainieren und lernen, schwierige Situationen im Alltag als Chancen zu erkennen. Wichtig ist immer im Hinterkopf zu haben, dass man selbst entscheidet, ob man bestimmten Ereignissen positiv oder negativ gegenübersteht. Im Stressmanagement und Resilienztraining wird deshalb vermittelt, wie man mit den Stresssituationen und Konflikten im Alltag besser und leichter umgehen kann. Hierbei wird viel Wert auf eine individuelle Beratung und Hilfestellung gelegt, denn jeder Mensch besitzt ein eigenes Resilienzlevel, je nachdem, welche Fähigkeiten er bereits erworben hat. Mithilfe von Impulsvorträgen, Einzel- und Gruppenarbeit, spezifischen Analysen sowie Meditation und Entspannungstechniken werden Ressourcen, Inhalte und Techniken vermittelt, die dabei helfen können, eine tiefe und nachhaltige Entspannung zu schaffen. Diese werden auf fernöstliche Traditionen und wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt.

Fazit
Wichtig zu beachten ist, dass jeder Mensch über persönliche Werte und unterschiedliche Fähigkeiten im Bezug auf Stress besitzt. Wer die eigene Resilienz trainiert, fördert die Besinnung auf die eigenen Ressourcen, erhöht die Akzeptanz von Bedingungen und Veränderungen und kann somit durch Stress entstehenden Krankheiten von psychischer Natur wie beispielsweise Burnout, aber auch Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenwirken. Resiliente Menschen sind zudem durch ihr Handeln und ihre optimistische Haltung zur Arbeit zufriedener mit ihrer Arbeit. 

 

Quellen
Hollmann, D. und Mourlane, D.: Führung, Gesundheit und Resilienz, www.bertelsmannstiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-05264205-B8810562/bst/xcms_bst_dms_38702_38703_2.pdf, abgerufen am 6. Mai 2019.
Dr. Dickes, I. und S. Teuber: RESILIENZ – neuer Modebegriff anstelle von Stressmanagement?, www.loquenz.de/wp-content/uploads/2014/09/Fachbeitrag_Resilienz_20140801.pdf, abgerufen am 3. Mai 2019.
Heller, Jutta: Individuelle Resilienz im Konzept von Prof. Heller, juttaheller.de/resilienz/resilienz-abc/definition-individuelle-resilienz/  abgerufen am 3. Mai 2019.

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Die Autorin

  • Kira Bender

    Schon während ihres Anglistik- und Kunstpädagogikstudiums in Frankfurt arbeitete Kira Bender als Redakteurin für den Hessischen Rundfunk. 2018 zog es sie zurück in die badische Heimat. Seitdem ist sie ein festes Bestandteil des BODYMEDIA-Redaktions-Teams und schreibt unter anderem über Themen wie Design, Trends & Specials, wissenschaftlichen Themen und Management.

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