Digitalisierung

Hybrides Angebot als Erfolgsfaktor

Viele Fitnessstudios haben während des Lockdowns aus der Not heraus damit begonnen, Kurse per Livestream zu übertragen, um mit ihren Mitgliedern in Kontakt zu bleiben und ihnen ein Workout-Erlebnis zu Hause zu bescheren, das sie trotz geschlossener Türen an das Studio binden sollte. Ist mit den Home-Workouts nach der Wiedereröffnung der Studios wieder Schluss oder hat sich diese Möglichkeit des Trainings nicht längst etabliert?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Faktor Mensch spielt eine immer wichtigere Rolle: Digital trainiert man lieber beim Trainer aus dem eigenen Gym als bei einem unbekannten Instruktor.
  • Die Kunden wünschen sich Flexibilität und einen einfachen Zugang zum Training, wenn sie es mal nicht ins Fitnessstudio schaffen.
  • Trotzdem muss weiterhin dafür gesorgt werden, dass Menschen lieber im Studio trainieren als digital. Das Fitnessstudio sollte eine Erlebniswelt sein, bei der sich jeder Besuch lohnt.

Der digitale Fitnesskonsum ist nicht mehr aufzuhalten. Das sieht man bei vielen großen weltweit operierenden Anbietern, die sich, durch den Lockdown begünstigt, sehr gut positioniert haben. Fakt ist: Der Lockdown hat unser Fitnessverhalten nachhaltig verändert. Als Studiobetreiber wird es zur Notwendigkeit, seine Kunden zuzüglich zum Angebot im Studio mit einem gut durchdachten digitalen Konzept enger an sich zu binden.

Durch die neu entstandene Nachfrage nach digitalen Fitnessangeboten haben Clubbetreiber nun die Chance, ihr Fitnessstudio zu ihren Mitgliedern nach Hause zu bringen, und zwar direkt ins Wohn- oder Arbeitszimmer oder dorthin, wo die Kunden das Angebot nutzen möchten.


Der BAVARESE Fitnessclub in Kolbermoor zeigt, wie es gelingt, mit einem durchdachten, digitalen Kursangebot den Mitgliedern einen echten Mehrwert zu bieten (Bildquelle: BAVARESE Fitnessclub)

Der Faktor Mensch spielt eine immer wichtigere Rolle

Das Kursangebot verschiedener Home-Workouts eröffnet für viele Menschen komplett neue Wege und viele sind nun, mehr denn je, in der Lage, Fitness in ihren neuen Alltag zu integrieren. Es gibt kaum noch Ausreden, um nicht fit und aktiv zu sein, und genau das liegt auch im Interesse jedes Studiobetreibers.

Das Schöne ist, dass trotz der gefühlt unendlichen Digitalisierung der Faktor Mensch eine immer wichtigere Rolle spielt. Bei wem möchte man digital trainieren? Bei einem unbekannten Fitnesstrainer aus der digitalen Welt oder eher bei dem Trainer, den man aus den Kursen im Studio kennt und bei dem man sich bis dato gut betreut und aufgehoben gefühlt hat? Die Antwort hat vermutlich jeder direkt parat und entscheidet sich für den Trainer aus dem Studio.

Für Clubbetreiber bedeutet das, dass sie jetzt nur noch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen müssen. Sie sollten ihren Mitgliedern über eine studioeigene App oder über einen Log-in-Bereich auf der Studio-Website alle Kursangebote, die live im Studio stattfinden, auch digital zu Hause oder für unterwegs zur Verfügung stellen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Es entstehen keine zusätzlichen Trainerkosten, die Reichweite wird erweitert und der Kursraum um einen digitalen Raum vergrößert, ohne dass Mehrkosten, Zugangsbeschränkungen und die Erstellung von Hygienekonzepten notwendig sind.

Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass das technische Set-up auch den Teilnehmern, die per Livestream dabei sind, ein tolles Trainingserlebnis ermöglicht. Ein solches Set-up ist ein einmaliges Investment, das sich lohnt. Wer sich jetzt die Frage stellt, warum die Mitglieder bei solch einem professionellen Angebot an Home-Workouts noch ins Studio kommen sollen, dem sei gesagt, dass ein Live-Kurserlebnis das Trainings-Erlebnis Nummer 1 für Mitglieder ist und auch bleiben wird.

Dieses Erlebnis so gut wie möglich zu gestalten sollte für Clubbetreiber Top-Priorität haben. Das Ambiente, die Soundqualität, die Atmosphäre im Kursraum und das Equipment sollten so gut sein, dass der Motivationsfaktor nicht zu toppen ist.


Studiobetreiber haben durch live-gestreamte Kurse keine zusätzlichen Trainerkosten, die Reichweite wird erweitert und der Kursraum wird um einen digitalen Raum vergrößert, ohne dass Mehrkosten und Zugangsbeschränkungen (Bildquelle: LES MILLS)

Flexibilität und einfacher Zugang als Schlüssel zum Erfolg

Denken Sie an Ihr eigenes Konsumverhalten. Konsumieren Sie nicht auch anders als vor dem Lockdown? Flexibilität und ein einfacher Zugang sind der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb wachsen Unternehmen wie Amazon, Netflix und Co. so rasant. Die Möglichkeit für Ihre Kunden und potenziellen Neukunden, digital auf die Trainingsangebote Ihres Studios zugreifen zu können, ist die logische Konsequenz, diesem Trend beim Konsumverhalten auch im Fitnesssegment gerecht zu werden.

Erfolgreiche, digitale Positionierung

Viele Partnerstudios von LES MILLS haben sich bereits erfolgreich in der digitalen Welt positioniert und schaffen es, allein durch ihr digitales Angebot Kunden zu binden und Neukunden zu gewinnen. Der BAVARESE Fitnessclub in Kolbermoor hat z. B. einen komplett digitalen Kurspalast geschaffen, der den Mitgliedern fünf Kursräume bietet. Ein Raum wird ausschließlich für digitale Kurse und für die On-Demand-Option genutzt. Zudem wird den Mitgliedern mit einer rein digitalen Kursbuchung und einem vielseitigen Livestreaming-Angebot große Flexibilität geboten.

Jede Live-Class im Studio wird mit einem Klick auch per Livestream übertragen, die Musikanlage ist gleichzeitig ein Streaming-Rack und beim Einlass ins Studio wird bei jedem Mitglied automatisch der 3G-Status überprüft. Um bei der Digitalisierung nicht in Anonymität zu verschwinden, nutzt das Studioteam die gewonnene Zeit dafür, sich intensiver um die Betreuung der Mitglieder zu kümmern, persönlichen Kontakt zu suchen und das bestmögliche Mitgliedererlebnis zu kreieren. Welche Wünsche bleiben da für Mitglieder noch offen?

Fazit

Die Digitalisierung in der Fitnessbranche wird zukünftig weiter voranschreiten. Der größte Fehler, den Studios jetzt machen können, ist die Augen davor zu verschließen. Seien Sie aktiv, trauen Sie sich, Ihren eigenen digitalen oder Hybrid-Kursraum zu eröffnen, und nutzen Sie die Vorteile für Ihren Erfolg. Übrigens absolviere ich persönlich 80 % meines Trainings im Studio. Digitale Angebote nutze ich besonders, wenn ich es mal nicht ins Studio schaffe. Ich würde darauf nicht mehr verzichten wollen und so wird es bestimmt auch der Mehrzahl Ihrer Mitglieder und potenziellen Neumitgliedern gehen.

Tipps für das digitale Studioangebot

  1. Setzen Sie auf Qualität! Stellen Sie sich immer die Frage: Wie würde ich persönlich gerne trainieren? Welcher Auftritt passt zum Werteversprechen meiner Anlage?
  2. Trauen Sie sich, Ihr Studio digital zu positionieren. Sie befinden sich mit dem digitalen Fitnessmarkt automatisch in Konkurrenz, ob Sie nun selbst ein Angebot haben oder nicht. Mit einem eigenen digitalen Angebot haben Sie aber mehr Chancen am Markt als ohne.
  3. Bieten Sie Ihren Kunden die maximale Flexibilität, die zu ihrem Alltag und Trainingsverhalten passt.
  4. Sorgen Sie dafür, dass Menschen lieber in Ihrem Studio trainieren als digital. Machen Sie das Studio zu einer Erlebniswelt, in der sich jeder Besuch lohnt.
  5. Nutzen Sie Ihre Mitarbeiter als Markenbotschafter, insbesondere in der digitalen Welt. Trainer sind glaubhafte Influencer in der Social-Media-Welt, die dem digitalen Angebot die persönliche und menschliche Note verleihen.
  6. Stellen Sie nicht einfach nur ein digitales Angebot ins Netz, sondern kreieren Sie eine Story, die zu Ihrem Studio passt und die eine logische Erweiterung des Studioangebotes darstellt.

 

Bildquelle: LES MILLS
 

Der Autor

  • Stefan Weiffen

    Stefan Weiffen ist Partner-Experience-Manager bei LES MILLS Germany und seit vielen Jahren in der Fitnessbranche tätig. Er war u. a. Key-Account-Manager der Reebok-Fitness-Germany GmbH, LES MILLS-Trainingsmanager und Club-Performance-Manager. Seine langjährige Erfahrung in allen Bereichen der Gruppenfitness macht Stefan Weiffen zu einem erfahrenen und kompetenten Ansprechpartner für Studiobetreiber in ganz Deutschland.

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