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Digitalisierung

Einsatz von Apps in der Physiotherapie

Der App-Markt für Therapeuten in den letzten Jahren ist deutlich gewachsen – vor allem im Bereich der Trainingsübungen. Ein Bereich, der bisher unterrepräsentiert war, sind eigene Praxis-Apps, die es den Patienten ermöglichen, mit ihrer Praxis und den behandelnden Therapeuten in Kontakt zu bleiben.

Nahezu jeder Dienstleister bietet seinen Kunden heutzutage eine App, seien es Banken, Restaurants und sogar Handwerker. Die Physiotherapie wie der Gesundheitsbereich insgesamt hängen der App-Thematik noch etwas hinterher.

Im BODYMEDIA-Interview mit Finn Schütt und Emil Rech von INTELLI-ATHLETICS in der BODYMEDIA-Physio Ausgabe 3-2021 wurde angedeutet, woran das liegen könnte. Ihren Erfahrungen nach liegt es häufig am Praxisinhaber bzw. den Führungsebenen, die einerseits Angst vor einer Umstellung auf digitale Werkzeuge haben und andererseits befürchten, ihre Patienten zu überfordern.

Und diese Aussage lässt sich auch auf andere Branchen übertragen. Wie im Gesundheitswesen auch scheut man sich zu digitalisieren. Dabei kann die Umstellung, so aufwendig und teuer sie auch sein mag, insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels einen wichtigen Beitrag leisten. Was Apps derzeit leisten können, schauen wir uns anhand zweier Bereiche an: einmal die Trainingsapps und einmal Apps, die Inhalte einer Therapieeinrichtung nach außen tragen.

Worauf wir hier nicht eingehen, sind Apps von Verwaltungssoftwareanbietern, die mittlerweile ebenfalls in die Branche Einzug gehalten haben, von den Patienten größtenteils aber nicht direkt wahrgenommen werden.

Therapie in der Hosentasche

An erster Stelle steht bei Trainingsapps die Gesundheit des Patienten. Daher finden sich in vielen Apps sehr umfangreiche Übungskataloge, die anhand von Bildern und Videos detailliert erklären, worauf der Patient zu achten hat. Während der Therapeut den Patienten nur beim persönlichen Treffen an die Übungen erinnert, können Apps diesen regelmäßig daran erinnern, etwas für sich zu tun. Insbesondere im Hinblick darauf, dass die Genesung des Patienten besser voranschreitet, wenn er Übungen zu Hause durchführt, ist das durchaus sinnvoll.

Häufig können Patienten die App auch im Anschluss an die Therapie nutzen, um weitere Fortschritte zu machen oder zumindest um ihr Level zu halten. Die Therapeuten wiederum bekommen Feedback über das Nutzerverhalten des Patienten und können, sollte es nötig sein, eingreifen oder individuelle Anpassungen vornehmen.

Mithilfe der Dokumentationsfunktion können alle Fortschritte aufgezeichnet werden und stehen bei weiteren Behandlungen zur Verfügung. Das, gemeinsam mit den großen Übungskatalogen, entlastet die Therapeuten bei der täglichen Arbeit, da die Autonomie des Patienten erhöht wird.

Aufholbedarf bei Praxis-Apps

Eine sicherlich eher unterrepräsentierte Form der App-Nutzung ist die der eigenen Praxis-App. Was aber kann solch eine App nun bieten? Nico Gumlich ist Mitentwickler der PHYSIO App und weiß, worauf es ankommt: „Patienten öffnen lieber eine App, als die Website zu besuchen, daher ist eine App, die zudem umfangreiche Funktionen in der Interaktion und Information bietet, für moderne Praxen absolut empfehlenswert. Für die Praxis hat das den Vorteil, dass sie ihre Patienten auch über die Rezeptdauer an sich binden kann und wichtige Funktionen an einem Ort vereint werden. Das Herzstück einer Praxis ist die Bindung zu den Patienten. Hier sollte eine App ansetzen.“

Damit das funktionieren kann, wird via QR-Code-Scan ein Patientenprofil angelegt, das nicht nur den Zugang zur App ermöglicht, sondern auch erlaubt, Dokumente, bspw. Rezepte oder Befunde, hochzuladen, damit diese von den Therapeuten verwaltet werden können. So erhält jeder Patient einen eigenen Bereich in seiner App, die er einsehen kann. Hier können dann auch Trainingsübungen für zu Hause gespeichert werden, die der Therapeut dem Patienten zuordnet.

Im Rahmen des Newsfeeds können sich alle Patienten z. B. über die Öffnungszeiten oder sonstige News wie neue Mitarbeiter informieren. Eine weitere Möglichkeit wäre es hier, Wissensinhalte über u. a. Behandlungsmethoden oder Krankheitsbilder zu teilen. Optimalerweise lassen sich diese Inhalte dann über einen „Teilen“-Button auch an Personen außerhalb teilen. Bei sehr relevanten Nachrichten für alle Patienten bietet es sich an, eine „Push“-Nachricht über die App zu schicken, um sicherzugehen, dass alle Bescheid wissen.

Die Interaktion mit den Patienten ist ein gutes Stichwort, denn dafür bietet sich eine Praxis-App ebenfalls an. Via Messengerfunktion können die Patienten Kontakt mit der Praxis und dem Therapeutenteam aufnehmen. Für anonymes Feedback gibt es eine digitale Feedbackbox. Im Kalender sind alle wichtigen Termine einsehbar.

Produkte digital verkaufen

Eine Besonderheit der PHYSIO App ist die Einbindung eines hauseigenen Shops, über den die von Patienten kaufbaren Produkte wie z. B. Gutscheine oder Trainingsbänder auch digital verkauft werden können. Hierfür lassen sich unterschiedliche Zahlungsmöglichkeiten hinterlegen, je nachdem, was man den Kunden ermöglichen möchte. Das nimmt den Therapeuten und Servicekräften die Arbeit des Verkaufens ab.

Um die Nähe zur Praxis zu stärken, sollte eine Praxis-App auf das CI der Praxis gebrandet sein. Neben kompletten Eigenentwicklungen, die aber sehr teuer sind, kann man als Praxisinhaber auf eine White-Label-App wie z. B. die PHYSIO App zugreifen. Das bedeutet, sie kann mit dem eigenen Branding wie Logo und den Unternehmensfarben versehen werden. Sie basiert auf einem Baukastensystem, das schon in anderen Branchen, u. a. der Fitness- und der Kampfsportbranche, zum Einsatz kommt, und ist eine praktische, kostengünstige und schnell umsetzbare Alternative.

Fazit

Die Physiotherapie-Branche ist noch etwas verhalten, was den Einsatz von Apps angeht. Dabei haben sie sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Während Trainingsapps sich schon etwas größerer Beliebtheit erfreuen, herrscht noch etwas Zurückhaltung bei Praxis-Apps. White-Label-Lösungen sind hier ein möglicher einfacher Einstieg für alle, die sich dem Thema nähern wollen.

Bildquelle: © PHYSIO App

Der Autor

  • Jonathan Schneidemesser

    Seit seinem Germanistik-und Philosophie-Studium in Mannheim arbeitet er für das Fachmagazin BODYMEDIA. 2015 übernahm er nach Abschluss seines BWL-Studiums die Chefredaktion für das Magazin. 2017 etablierte er die BODYMEDIA dann mit einem eigenen Magazin im Physio-Bereich. Seine sportliche Erfahrung sammelte vor allem in seiner aktiven Zeit als 800m-Läufer. In seiner Freizeit joggt er durch den Wald oder schwingt Kettlebells.

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