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Best Practice

Wie reagieren Sie auf die Energieverknappung?

90 % aller Fitnessclubs werden mit Erdgas versorgt. Sollte es zu Erdgas-Engpässen kommen, wie sieht dann Plan B aus? Welche kurzfristigen Alternativen gibt es, um Fitnessclubs im Winter zu beheizen? Und wie können die Mitglieder ins „Energiespar-Boot“ geholt werden?

Wer die Medien und die politischen Aussagen in den vergangenen Wochen und Monaten verfolgt hat, dem wird klar, dass die Wahrscheinlichkeit der baldigen Erdgasknappheit sehr hoch ist. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich diese Problematik bis zum 21. Juni nicht auf meinem Radar hatte. Als ich an diesem Tag die Sendung „Wie steht es um unsere Gasspeicher?“ mit Markus Lanz verfolgte, wurde mir jedoch sofort klar: Ich muss handeln. Jetzt!

Plan B bei Versorgungsproblemen

Geladen war u. a. Ministerpräsident Stephan Weil aus Niedersachsen. Markus Lanz fragte ihn, welche Folgen es haben würde, sollte das Erdgas ausgehen, und welche Branche das Ausmaß zuerst zu spüren bekäme. Die mehr oder weniger klare Antwort des Ministerpräsidenten lautete:

„Es gibt einen Abschaltplan und man wird mit dem Freizeitsektor beginnen müssen.“

  Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen

Ausgelöst durch dieses Statement habe ich mich daraufhin bei der Bundesnetzagentur über die aktuelle Lage der Gasversorgung der Bundesrepublik Deutschland informiert. Auch hier wurde mir klar, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es zu Erdgasversorgungsproblemen kommen kann.


Fotovoltaik ist eine Möglichkeit für Fitnessstudiobetreiber, um Stromkosten in den kommenden Jahren einzusparen (Bildquelle: © anatoliy_gleb - stock.adobe.com)

Dies ließ die Frage aufkommen: Wie sieht mein Plan B für unseren Vivana Fitness- und Wellnesspark aus? Nach Prüfung sämtlicher Möglichkeiten verbleibt aus meiner Sicht nur noch das Umschalten der Brennöfen von Erdgas (LNG) auf Flüssiggas, das sogenannte LPG. Hauptbestandteil dieses Gases ist Propangas. LPG wird beispielsweise bei der Raffination von Öl gewonnen. Die Versorgung sei, laut Aussage von Jobst Dietrich Diercks, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verbandes Flüssiggas e. V., gesichert.

Infolgedessen habe ich mich mit meinem Heizungs- und Sanitärdienstleister in Verbindung gesetzt. Dieser teilte mir erfreulicherweise mit, dass eine Umrüstung zur Verbrennung von Propangas durch ein Austauschen der Düsen möglich sei. Zudem habe ich mich bei Propangaslieferanten informiert, welche Kosten für einen Leihtank anfallen. Der Tank wurde bereits am 20. Juli bestellt, genauso wie die Materialien für die Umrüstung.

Insgesamt sind für diesen Plan B ca. 3.000 Euro angefallen. Für eine Fitness- und Wellnessanlage unserer Größe halte ich diese Investitionen zur Absicherung in einem Notfall für durchaus überschaubar. Schließlich ermöglichen wir durch die Umrüstung unseren Mitgliedern auch im kommenden Winter warme Räume und warmes Duschen. Ich vergleiche diese Investition mit einer Feuerversicherung. Man schließt diese vorsorglich ab, wünscht sich aber, niemals von ihr Gebrauch machen zu müssen.

Neue Energiestruktur und Energie-Einsparplan

In unseren Jahresplanungen wird zwar immer wieder thematisiert, dass jeder durch Kostenreduzierung eingesparte Euro sofort auf die Habenseite wandert, und wir beschließen dazu auch immer entsprechende Maßnahmen. Allerdings wurde dies nie in der Intensität getan, wie in den letzten Wochen.

Der Energieverbrauch und die Verbrauchsquellen wurden so kritisch wie nie zuvor hinterfragt. Sogar eine geplante Investition in diverse neue Trainingsgeräte wurde zurückgestellt. Stattdessen wurde das Geld jetzt gezielt in eine neue Energiestruktur investiert.

Die Neuerungen reichen von Fotovoltaik über LED-Technologie bis hin zu einem dreiseitigen Energie-Einsparplan, der als To-do-Liste entwickelt wurde. Seit Mitte Juli werden die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt.

Durch die getroffenen Maßnahmen wird es im kommenden Jahr gelingen, die derzeitigen Stromkosten von 78.000 Euro auf 10.000 Euro zu reduzieren.

Fast alle Maßnahmen haben eine Schnittstelle zu unseren Mitarbeitern und Mitgliedern. Deshalb ist es aus unserer Sicht besonders wichtig, dass alle über die Maßnahmen genaustens informiert werden. Nur so erhoffen wir uns Verständnis für z. B. die Tatsache, dass von den drei Saunen jeweils eine oder zwei am Vormittag abgeschaltet und nur auf Kundenwunsch eingeschaltet werden. Das Ganze steht unter dem Motto: Vivana „Eco Friendly“.

Dazu haben wir ein passendes Logo entwickelt, welches wir in unseren Kommunikationsmaßnahmen künftig einsetzen werden. Zudem haben wir einen Kommunikationsplan entwickelt, um alle Mitarbeiter und Mitglieder in das neue „Energiespar-Boot“ namens Vivana Eco-friendly holen zu können.

Bildquelle Header: © Zerbor - stock.adobe.com

Der Autor

  • Alexander Dillmann

    Alexander Dillmann ist CEO der myline Deutschland GmbH und Inhaber des Vivana Fitness & Wellnessparks.

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