Weil er zu dick war...

19-Jähriger Deutscher erster Weltmeister im Kraftdreikampf

Beugen, drücken, heben: Der 19-jährige Dominique Bohrmanns aus Kenn ist erstmals Weltmeister im Kraftdreikampf geworden. Zu der Sportart kam er über Umwege.

Manche Menschen haben ungewöhnliche Vorlieben. So wie zum Beispiel Dominique Bohrmann. "Es ist schön, wenn ich abends aus dem Fitness-Studio komme und kaum noch gehen kann", sagt der 19-Jährige aus Kenn (Kreis Trier-Saarburg). Kürzlich ist er reich dekoriert aus Las Vegas zurückgekehrt. Im Spielerparadies hat er sich in seiner Klasse (Alter bis 19 Jahre, Gewicht bis 90 Kilo) die Weltmeisterschaft im Kraftdreikampf gesichert. Eine Sportart, die körperliche Qualen mit sich bringt.
 
Kraftdreikampf besteht aus den Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben. Die jeweils erreichten Gewichts-Leistungen werden addiert. In Las Vegas wuchtete Bohrmann insgesamt 660,5 Kilo in die Höhe — 240 Kilo beim Kniebeugen, 150,5 Kilo beim Bankdrücken und 270 Kilo beim Kreuzheben.
 
Bohrmann ist Weltmeister der Organisation WPF (World Powerlifting Federation). Ähnlich wie im Boxen ist die WPF eine von drei Organisationen auf der Welt, die eigene Titelkämpfe ausrichten. Nebenbei hat sich der 19-Jährige in Las Vegas auch noch die WM-Krone in der Einzeldisziplin Kreuzheben aufgesetzt.
 
Die Titel stellen für Bohrmann den bislang größten Erfolg in seiner erst knapp zwei Jahre währenden Kraftdreikampf-Karriere dar. Weil er zu dick war ("Ich hatte mindestens 15 Kilo Übergewicht"), ging er als 14-Jähriger erstmals ins Fitness-Studio. Das Motto: Trainieren, damit die Pfunde purzeln. "Ich war damals ein guter Fußballer, aber einfach zu langsam. Es musste sich etwas ändern." Es änderte sich etwas. Bohrmann nahm ab — und fand Gefallen an Neuem. Am Kraftdreikampf.
 
Straffes Training, keine Chips
Bei seinem Trainer Oliver Türk probierte er das Kreuzheben aus. In der Folge intensivierte Bohrmann, der im vergangenen Sommer sein Abitur abgelegt hat (Leistungskurse: Sport, Deutsch, Biologie), die Übungseinheiten. Heute ackert der Zivildienstleistende vier bis fünf Mal pro Woche an den Hanteln — jeweils zweieinhalb Stunden lang. Seit knapp zwei Jahren betreibt er den Kraftdreikampf ambitioniert. Mit straffem Trainingsprogramm — und klaren Ernährungs-Vorgaben. Bohrmann: "Schokolade, Eis und Chips gibt es bei mir nicht mehr." Zurzeit bringt er bei einer Größe von 1,80 Metern knapp 90 Kilo auf die Waage. Sein Oberschenkel-Umfang beträgt 62 Zentimeter, am Oberarm kommen 42 Zentimeter zusammen.
 
Da der Kraftdreikampf kein Volkssport ist, feierte Bohrmann recht schnell die ersten Titel. In diesem Jahr wurde er deutscher Meister und Europameister. Der 19-Jährige räumt ein, dass der Kraftdreikampf nicht gerade als Gesundheitssport durchgeht - wenn man an die Grenzen gehen will. Und ganz billig ist der Sport auch nicht. Für das Abenteuer in Las Vegas muss Bohrmann rund 700 Euro aus eigener Tasche aufbringen. Preisgelder gab es für die WM-Titel nicht.
 
Hintergrund
Kraftdreikampf im Überblick: Beim Kniebeugen geht der Athlet — vereinfacht gesagt — mit der Langhantel über den Schultern in die Hocke. Beim Bankdrücken muss er die Langhantel auf der Bank liegend von der Brust nach oben bringen. Beim Kreuzheben muss er die Hantel vom Boden mit ausgestreckten Armen nach oben hieven, bis er aufrecht steht und die Beine durchgedrückt sind.




Muskeln statt Masse. Dominique Bohrmann zeigt seine WM-Medaillen. TV-Foto: Mirko Blahak