Verbraucherzentrale fordert neues Selbstverständnis der Kassen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert einen Paradigmenwechsel bei den Akteuren des Gesundheitswesens. Für Versicherte müssten Versorgungsangebote transparenter und vergleichbar werden. Das Gegenteil ist derzeit der Fall, so eine Studie. Für einen funktionierenden Wettbewerb im Gesundheitswesen ist nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) ein grundsätzliches Umdenken der beteiligten Akteure notwendig. Dies erklärte VZBV-Vorstand Gerd Billen bei einer Fachtagung zum Thema Wettbewerb, Solidarität und Verbrauchersouveränität im Gesundheitswesen am 09.07.2009 in Berlin. Mitveranstalter war das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Information zur Versorgungsqualität sei "öffentliches Gut"
"Wettbewerb ist auch im Gesundheitswesen kein Selbstzweck", so Billen. Vielmehr habe er das Ziel, die Qualität der Versorgung zu verbessern, die Effizienz zu steigern und den Nutzen für die Betroffenen zu erhöhen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Qualität der Versorgung transparent und die Angebote vergleichbar sind. Dazu fordert der Verbraucherschützer einen Paradigmenwechsel im Selbstverständnis der Akteure: "Informationen über die Qualität der medizinischen Versorgung sind keine Geschäftsgeheimnisse von Krankenkassen oder Leistungserbringern, sondern ein öffentliches Gut."

Ministerin: Kassen sollten sich um Versicherte kümmern
Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) forderte, dass die Krankenkassen sich mehr als bisher um ihre Versicherten kümmern müssten. Konkret benannte sie Verbesserungsbedarf bei der Wahrung von Versicherten- und Patientenrechten, bei der Terminvergabe bei Fachärzten und den Versorgungsangeboten für chronisch kranke Menschen. "Wer den Versicherten in den Mittelpunkt stellt, hat die Nase vorn. Dahinter steht auch ein neues Verständnis vom Versicherten, das sich in den letzten Jahren mehr und mehr manifestiert hat: der Patient als gut informierter und mündiger Partner im Gesundheitswesen", so Schmidt.

Studie: Kommunikation der Kassen mit Defiziten
Kritisch bewertet eine am 07.07.2009 in Berlin vorgestellte Studie der Ratingagentur Assekurata, dass die Krankenkassen ihre eigenen Mitglieder zum Teil nicht ausreichend über Leistungen informierten. So wüssten beispielsweise von den angebotenen Naturheilverfahren der AOKen in Berlin und Hessen jeweils zwölf Prozent der eigenen Kunden nichts. "Es reicht nicht aus, Zusatzleistungen anzubieten, man muss diese auch zielgerichtet bewerben. Es gibt aktuell keine Leistungstransparenz im Markt", so Studien-Mitautor Guido Leber am Dienstag in Berlin.

Service der Kassen wird immer wichtiger
Zuvor hatte auch die Stiftung Warentest den Service, Mehrleistungen und Wahltarife von 113 allgemein geöffneten gesetzlichen Krankenkassen untersucht. Das Ergebnis zeigte zwar erhebliche Unterschiede bei den Kassen, eine Testsiegerin für alle gab es jedoch nicht. Welche Extras und welcher Service für den Einzelnen wichtig seien, hänge von der Lebenssituation und den individuellen Wünschen wie etwa nach kostenloser homöopathischer Behandlung oder Hospiz-Zuschüssen ab. Auch scheint die Kompetenz der Berater wichtiger zu sein, als ihre ständige Erreichbarkeit. Finanztest hatte kürzlich in einem Vergleich moniert, dass die Telefone einer Kasse nur bis 17 Uhr besetzt seien. Laut Studie wies jedoch gerade diese Kasse eine überdurchschnittliche Kundenzufriedenheit aus. Für Leber kein Widerspruch: "Kunden legen mehr Wert auf eine kompetente Abwicklung der Anliegen und freundliche Mitarbeiter."