Neue Studie zu Typ II Diabetes

Je fetter die Leber, desto resistenter werden die Zellen gegen Insulin

Lange Zeit wurden bei nicht-alkoholischer Leberverfettung vor allem die hepatischen Komplikationen diskutiert. Zunehmend rücken jetzt auch die metabolischen Probleme in den Fokus. Ein wichtiges Stichwort hierbei: die Insulinresistenz. Diese nimmt mit steigendem Leberfettgehalt zu.
Adipositas und die Entwicklung einer Insulinresistenz mit all den daraus resultierenden Problemen für den Zuckerstoffwechsel gehen Hand in Hand. Niedergelassene Kollegen sehen das Tag für Tag in ihren Praxen, in denen immer mehr adipöse Erwachsene und Kinder vorstellig werden. Dass bei der Adipositas nicht so sehr das subkutane, sondern vor allem das viszerale Fett für die metabolischen Komplikationen wichtig ist, ist bekannt.

 

 

Korrelation ist unabhängig vom Ausmaß der Adipositas

Neu ist, dass auch metabolisches Fett nicht gleich metabolisches Fett ist: Besonders problematisch ist das hepatische Fett, wie Professor Hannele Yki-Järvinen von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Diabetologie der Universität Helsinki berichtete: "Wir konnten in einer Studie zeigen, dass die Insulin- und C-Peptid-Spiegel mit dem in der MR-Spektroskopie nachgewiesenen Leberfett korrelieren, und zwar statistisch unabhängig vom Body Mass Index." Mit anderen Worten: Je mehr Leberfett, desto mehr Insulinresistenz - unabhängig davon, wie adipös die betreffende Person sonst ist.

Für Patienten mit Fettleber hat das fatale Auswirkungen: "Wenn die Insulinwirkung verringert ist, resultiert in der Leber eine zu geringe Produktion von VLDL-Partikeln. Das wiederum lässt die Triglyzeride und das LDL-Cholesterin steigen, während das HDL-Cholesterin abfällt", so Yki-Järvinen bei der Falk Leber-Konferenz in Hannover. Unterstützt wird diese ganze Kaskade noch durch inflammatorische Prozesse, etwa einer verstärkten Produktion von CRP und anderen Entzündungsbotenstoffen. So entsteht eine metabolisch hoch problematische, prodiabetische Konstellation. "Wenn dann noch seitens der Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse eine nicht ausreichende Insulinproduktion hinzu kommt, ist auch der voll ausgeprägte Typ-2-Diabetes nicht mehr weit. Alles in allem ist die Leber bei der Entwicklung des metabolischen Syndroms ein ganz zentrales Organ", so Yki-Järvinen.

Bleibt die Frage, wie das Fett in die Leber kommt oder warum sich adipöse Menschen bei sonst gleichem Body Mass Index (BMI) in ihrem Leberfettgehalt individuell unterscheiden. Hierfür gibt es bisher nur erste Erklärungsansätze.
Gesättigte Fettsäuren begünstigen Leberverfettung

Von Bedeutung könnte die De-novo-Lipogenese im Fettgewebe sein: Besonders problematisch für die Leber scheinen Softdrinks zu sein. Sie führen wegen ihres hohen Fructose-Gehalts zu einer sehr viel stärkeren Lipogenese als glukosehaltige Getränke. Dieses durch Fructose induzierte Fett geht zudem besonders gerne auf die Leber. "Schon eine Woche mit starkem Konsum von Softdrinks führt zu einem nachweisbaren Anstieg des Fettgehalts in der Leber", betonte die Finnin.

Ein zweiter Faktor sind Ceramide, die sich ebenfalls bevorzugt in der Leber anreichern. Ceramide entstehen aus gesättigten Fettsäuren. Eine Diät, die reich an gesättigten Fettsäuren ist, führt damit eher zu einer Leberverfettung als eine kaloriengleiche Diät anderer Zusammensetzung. Schließlich dürften wie immer auch die Gene beteiligt sein. So gibt es einige wenige Menschen, bei denen eine Leberverfettung nicht mit einer verstärkten Insulinresistenz einhergeht. Grund ist eine Mutation im Gen für Adiponectin, ein Gewebehormon, das die Insulinempfindlichkeit der Zielzellen beeinflusst.

Sonografisches Bild einer massiven Fettleber. Die rechte Niere (dunkel, bohnenförmig) wird nach unten gedrängt. Foto: © Dirks / sonoweb.de