Morgendstund hat Gold im Mund

Die Mittagssonne meide sie ohnehin, am Nachmittag fehle dann die Lust zum Training, "und da will ich auch meine Ruhe haben". Also schwingt sich Sieglinde Meyer morgens, kurz vor neun, aufs Rad und strampelt sich auf dem Weg in die Alte Fabrik warm. Jeden Tag übrigens - und egal, was das Thermometer zeigt. Die Hitze hält die 69-Jährige jedenfalls nicht vom Fitness-Training ab.

Das gilt für viele seiner Kursteilnehmer, wie Axel Gude, Sportphysiotherapeut in der Alten Fabrik in Köthen, dieser Tage feststellen kann. Von der Tatsache einmal abgesehen, dass in den Ferien ohnehin etliche Leute verreist sind, kann er sich bei seinen Kursen nicht über mangelnden Zuspruch beklagen. Es sei denn, Spinning steht auf dem Programm. Ein schweißtreibendes Ausdauerprogramm auf dem Fahrrad: Im Kursplan steht es, nur fehlt es momentan an denen, die sich bei Temperaturen weit über 30 Grad dafür begeistern können. Durchaus verständlich, findet Gude. "Jeder muss selbst wissen, was er sich zumuten kann." Und auf seinen Kreislauf achten.

Viel trinken gehört im Hochsommer und noch dazu bei sportlicher Betätigung dazu, legt Gude den Trainierenden immer wieder ans Herz. Dieter Huff hat damit seine Schwierigkeiten, gibt vor, einfach nicht der große Trinker zu sein. Und nicht nur beim Sport, auch zu Hause. Der 73-jährige Stammgast - seit elf Jahren kommt der Köthener drei Mal die Woche hierher - muss sich zwingen, den Flüssigkeitsverlust seines Körpers wieder auszugleichen: "Zwei bis drei Liter am Tag sind das Minimum", weiß Gude. "Am besten Wasser." Und mittags vielleicht mal eine Tasse Brühe - wegen des Salzes, dass der Körper durchs Schwitzen automatisch verliert.

Mit leichter, locker sitzender Baumwollbekleidung soll, so jedenfalls die Erfahrung des Kursleiters, das Training noch mehr Spaß machen. "Selbst im Sommer", ist er überzeugt. Dass das Studio momentan unter Mittag weniger Besucher hat als in den Vormittags- und späteren Abendstunden sei aus seiner Sicht vollkommen nachvollziehbar. Nicht jeder käme mit der Hitze gleich gut zurecht. Sigrid Beck machen die hochsommerlichen Temperaturen weniger zu schaffen.

Seit März geht sie regelmäßig zum Fitness und hat schon zehn Kilo abgenommen, was sie ungemein motiviert, weiter zu machen. "Es ist doch hier drinnen viel angenehmer als draußen", findet sie. Ins Schwitzen kommt sie, "auch wenn sie nichts tut". Dann schon lieber beim Fitness. (Sylke Hermann)

Sigrid Beck aus Drosa (l.) folgt dem Rat von Sportphysiotherapeut Axel Gude, beim Sport jetzt besonders viel zu trinken. Foto: Ruttke/Mitteldeutsche Zeitung