Körperkunst

Bauchdesign an der HfG Karlsruhe: Studenten mit Sixpacks

Akademische Sixpacks auf dem Laufsteg: Die Hochschule für Gestaltung Karlsruhe machte Fitness zum Designgegenstand.

Das Öl glänzt auf seinem Oberkörper, die Bauchmuskeln zeichnen sich beim Gehen über den Laufsteg deutlich ab. Kunst-Student Jens Willms hat es geschafft: In vier Monaten hat er im Seminar "Sixpack: Männerbauchdesign" an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe seinen Körper gestählt. Viele Stunden schwitzte er im Fitness-Studio, stellte die Ernährung um - statt Nudeln gab es Molke. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. "Ich bin mit meinen Sixpack zufrieden", sagte Willms am Freitagabend bei der Abschlusspräsentation in der HfG.

Anfang November 2009 startete an der HfG das Sixpack-Seminar, Fitness wurde zum Designgegenstand. Laut Seminarleiter Ludger Pfanz hatten die ästhetischen, diätetischen und medialen Übungen ein großes Ziel: "Den eigenen Körper zu designen und diesen Prozess in ein Medienkunstwerk zu transformieren." Als Inspiration diente Peter Sloterdijks Buch "Du musst dein Leben ändern", in dem er beschreibt, wie wichtig Selbstertüchtigung für den Menschen sei. Sloterdijk, Professor für Philosophie und Ästhetik, ist HfG-Rektor.

Unter professioneller Anleitung trainierten die Studenten vier Monate lang in einem Fitness-Studio. Von den ursprünglich gestarteten 27 Teilnehmern blieben 20 übrig. Aber auch unter diesen erreichten nicht alle das angestrebte Ziel. Matthias Heckel schloss das Seminar ohne Muskeln im Bauchbereich ab. Er dokumentiert in einer Videoinstallation eine Geschichte über Körper, Nachahmung und Scheitern.

Scheitern kam für die sieben Teilnehmerinnen nicht infrage. Alle meisterten die Herausforderungen des Seminars. "Frauen sind anscheinend die besseren Männer", kommentierte Pfanz. Eine Teilnehmerin erarbeitete sich in drei Monaten acht Kilogramm Muskelmasse.

Zu den erfolgreichen Seminarteilnehmerinnen gehören auch Christina Becker und Lauren Walter. Die beiden Studentinnen trainierten ihren Körper auf unkonventionelle Weise: Beispielsweise den Trizeps in der Straßenbahn. Wie das geht? Sie entwickelten Fitnesskleidung aus elastischem Gewebe. Zu ihrer Kollektion gehören ein Schal, der als Expander genutzt werden kann. Hosenträger, die während des Gehens als Rückentrainer eingesetzt werden können, und eine Art Minirock, der beim Gehen Beine und Po trainiert. "Sport wird zu einem Accessoire, das im Alltag notwendig ist", sagt Walter. Die Kilos purzelten bei den beiden Studentinnen trotzdem nicht. "Wir wiegen nun mehr als zu Beginn des Seminars", berichtete Becker. "Aber hoffentlich nur deshalb, weil Muskelmasse schwerer ist als Fett."

Seminarleiter Pfanz gab seinen Studenten während der Aktion nicht nur Tipps, sondern ging mit gutem Beispiel voran. Er nahm in den vergangenen vier Monaten 15 Kilogramm ab. Ein aufgetürmter Butterberg in der HfG demonstrierte diese Masse. Sein Motto in der fitnessreichen Zeit: "Ein Indianer kennt keinen Schmerz."

Foto: Horn-Verlag