Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 3)

Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 3) Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 3)

"Die Kliniken sind nicht mehr immun gegen die Krise", heißt es einer Studie der American Hospital Association. Zum einen sinke die Nachfrage, weil Patienten planbare Operationen aufschieben und nicht mehr bezahlen können. "In der Vergangenheit wurde das Patientenverhalten nicht durch Rezessionen beeinflusst", so der Bericht. "Dieses Jahr gibt es einen Rückgang."

Zum anderen haben die Kliniken Finanzierungsprobleme. Der Markt für kommunale Anleihen, bislang eine sichere Geldquelle gerade für Non-Profit-Kliniken, ist schwer getroffen. Die Investoren verlieren das Vertrauen in die bisher als sicher geltenden Kliniken, schreibt auch die Ratingagentur Moody's. Die Folge des Kapitalmangels: 56 Prozent der US-Kliniken streichen geplante Neu- und Umbauten, 45 Prozent streichen Medizintechnikinvestitionen, 39 Prozent IT-Investitionen. Mit verheerenden Folgen für die Industrie.

In Deutschland sind solche dramatischen Kettenreaktionen bislang nicht zu erkennen. Die großen privaten Klinikbetreiber Rhön, Helios und Sana melden gestiegene Erlöse und Gewinne für 2008 und starke Prognosen für 2009. "Von Krisenstimmung ist im gesamten stationären Bereich nichts zu spüren", sagt Boris Augurzky, Klinikexperte vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. Lediglich im Rehasegment dürfte es ab Mitte des Jahres zu spürbaren Effekten kommen, da Patienten ihre Kuren absagen, aus Angst um den Arbeitsplatz.

Die Erlöse der Ärzte Auch die niedergelassenen Ärzte spüren den Einbruch bislang kaum. "Es ist bekannt, dass in Wirtschaftskrisen die Nachfrage nach ambulanten Leistungen sinkt", sagt Karl Blum, Forschungsleiter am Deutschen Krankenhausinstitut. In der Krise kommen vor allem aus sozial schwächeren Schichten weniger Patienten in die Praxen. Die Grippewelle in diesem Winter hat das bislang allerdings überdeckt.

Auswirkungen auf die Erlöse der Ärzte hätte ein Rückgang der Patientenzahlen sowieso kaum. Das Budget aus der gesetzlichen Krankenkassen, das im Normalfall 75 bis 80 Prozent des Praxisumsatzes ausmacht, ist fix. "Von der Krise sind daher vor allem Ärzte betroffen, die sich hauptsächlich außerhalb der Kassenwelt bewegen", sagt Georg Heßbrügge, Leiter Gesundheitsmärkte bei der Apobank.

Dazu zählen Zahnärzte, die sich auf Zahnersatz spezialisiert haben, oder Praxen mit hohem Anteil privat zu zahlender Untersuchungen. Hier rechnet auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung "mit einem tiefen Cut".

Gesundheitsfonds als Schutzschirm Für den deutschen Gesundheitsmarkt kommt die Krise zu einem günstigen Zeitpunkt - nie zuvor war die Branche so gut gegen konjunkturelle Schwankungen abgeschirmt wie 2009. Bislang spürten die gesetzlichen Krankenkassen jeden Einbruch am Arbeitsmarkt sofort über sinkende Beitragseinnahmen - und gaben das Minus möglichst an die Versorger weiter. Seit Jahresbeginn erhalten die Kassen aber garantierte Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds. Ein stabiler Block von 168 Mrd. Euro.

Für eventuelle Unterdeckungen - offiziell rechnet man im Gesundheitsministerium mit einem Loch von etwa 1 Mrd. Euro - springt der Staat mit Steuergeldern ein. "Der Gesundheitsfonds bildet einen Schutzschirm über der Gesundheitsversorgung in Deutschland", sagt Bundesministerin Ulla Schmidt. Ähnlich urteilt Heßbrügge von der Apobank: "Es gibt wegen des Fonds kein systemisches Risiko für die Branche." Noch nicht.

Denn ab kommendem Jahr könnte es enger werden. "Für 2010 rechnen wir mit einer relativ schlechten Finanzlage", heißt es im Ministerium. Zwar dürfte das Volumen des Fonds nicht schrumpfen - aber mehr Geld ist trotz steigender Kosten unwahrscheinlich.