Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 2)

Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 2) Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 2)

In den Strudel gerissen werden Marktsegmente, die vor allem auf Privatzahler angewiesen sind. In einer Rezession geht die Nachfrage hier zurück. Teure Zahnbehandlungen gehören dazu oder die Schönheitsmedizin.

Der Konzern Allergan berichtet etwa für das vierte Quartal, dass der Verkauf des Antifaltenmittels Botox um drei Prozent zurückging, Brustimplantate um zwölf Prozent. Und der weltgrößte Hersteller von Zahnimplantaten, Nobel Biocare, meldet Umsatzrückgänge von zwölf Prozent in Europa und 20 Prozent in den USA. Die Patienten sparen sich die teuren Therapien.

Ein nicht so eindeutiges Bild ergibt sich dagegen in Segmenten, deren Umsätze an die Krankenversicherungssysteme gekoppelt sind. Sie werden von der Krise berührt, aber nicht erschüttert. Dazu zählen Teile der Pharmaindustrie und der Medizintechnik, Apotheken, Arztpraxen, Kliniken sowie Reha- und Pflegeeinrichtungen.

"Hier gilt die alte Stabilitätsthese" Relativ moderat sind die Auswirkungen im Arzneimittelmarkt. "Der Pharmamarkt wird weltweit durch die Krise um zwei Prozent zurückgehen", sagt Frank Wartenberg, Vice President von IMS Health. Das entspricht einem Minus von rund 16 Mrd. $. In Märkten mit höheren privaten Zuzahlungen zu Arzneimitteln wie Russland oder Italien werden die Effekte auch größer sein.

Für Deutschland rechnet Wartenberg mit einem Minuseffekt von einem Prozent. "Hier gilt die alte Stabilitätsthese noch, weil der Pharmamarkt großteils durch die Sozialsysteme finanziert ist", sagt er. Betroffen seien bislang nur Lifestyle-Medikamente wie Potenzmittel, Haarwuchs- oder Abnehmpräparate sowie einzelne Gruppen nicht rezeptpflichtiger Arzneien.

Die Trübung im Pharmamarkt könnte in der Folge auch die Apotheken treffen. "Sollte sich das Konsumklima weiter verschlechtern, werden auch die Apotheken die Krise spüren", sagt Wartenberg. Bereits vor Wochen schrieb Celesio, einer der größten Apothekenbetreiber in Europa, 287 Mio. Euro auf Apotheken in Italien, Irland, Belgien und Niederlanden ab. Dort rechnen die Stuttgarter mit Umsatz- und Gewinnrückgängen, weil Patienten bei nicht verschreibungspflichtigen Mitteln sparen könnten.

Nicht ohne Sorge erwartet auch die Medizintechnikbranche die Schockwellen. "Ganz spurlos geht die Krise nicht an uns vorüber, auch wenn wir weniger getroffen werden als andere Branchen", sagt Tobias Weiler, Fachleiter des Branchenverbands Spectaris. In Deutschland sind die Aufträge der Kliniken noch stabil, nur die Arztpraxen halten sich zurück. Sie müssen neue Geräte über Kredite finanzieren und erhalten keine öffentliche Förderung.

Deutliche Auftragsrückgänge verzeichnen die stark exportorientierten Hersteller vor allem im Ausland, in den USA, in Osteuropa und in Japan. "In den USA stellen vor allem die privaten Klinikketten ihre Investitionen zurück - das ist derzeit ein ganz schwieriger Markt", sagt Weiler. "Russland ist fast tot, dort wurden Großprojekte abgeblasen."

Wie nie zuvor in der Geschichte spüren die internationalen Gesundheitsmärkte die Rezession. In den USA belastet die Krise bereits das gesamte Gesundheitssystem. Massenentlassungen in fast allen Branchen treiben immer mehr Amerikaner aus der Krankenversicherung, die meist über die Arbeitgeber finanziert wird. Das setzt die ohnehin angespannten staatlichen Versicherungsprogramme unter Druck - und führt zu Zahlungsausfällen bei den Krankenhäusern.