Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 1)

Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 1) Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (Teil 1)

In den USA trifft die Finanzkrise den Gesundheitsmarkt mit voller Wucht. Nun geht auch in Deutschland die Sorge um: 2010 könnte es zu einem Einbruch kommen.

Als William Weldon vor wenigen Wochen vor Investoren einen Blick in die Zukunft wagte, musste er fast Ungeheuerliches ankündigen. 76 Jahre lang war sein Unternehmen gewachsen, Jahr um Jahr, in Krieg und Frieden. Immer weiter, immer aufwärts ging es, bis auf 63,7 Mrd. $ Umsatz. Doch 2009, zum ersten Mal seit einem Dreivierteljahrhundert, dürfte es anders werden. Johnson & Johnson, einer der weltgrößten Gesundheitskonzerne, wird schrumpfen - wegen der Krise.

Schon seit dem Herbst geht es abwärts. Im vierten Quartal hatte vor allem die Rezession die Erlöse des Konzerns um fast fünf Prozent einbrechen lassen. "Wir sehen Anzeichen, dass Konsumenten und Patienten sparsamer werden", sagt Weldon, erst achter Firmenchef seit 1886 ist. "Viele Healthcare-Märkte stehen ökonomisch unter Druck."

Es ist das Ende alter Gewissheiten. Die Gesundheitsbranche galt bislang als immun. Noch in der letzten großen Krise, nach dem Platzen der New-Economy-Blase, als die Arbeitslosigkeit in allen Wirtschaftszweigen anstieg, entstanden hier neue Jobs. Menschen würden immer krank, und ihre Behandlung zahle meist der Staat, hieß es immer.

Düstere Prognosen Vorbei. Die Jahrhundertkrise trifft auch diesen vermeintlich stabilen Teil der Volkswirtschaft. Zu heftig sind die Schockwellen. In Amerika und fast allen EU-Staaten schrumpft die Wirtschaft. Die Prognosen sind düster. Weltweit sind die Börsen auf Talfahrt. Banken vergeben nur zögerlich Kredite. Automobilbranche, Maschinenbau und Handel sind bereits getroffen - nun erreichen die Wellen den Gesundheitsmarkt, vor allem im Ausland.

Für die USA, den wichtigsten Gesundheitsmarkt der Welt, rechnet die Ratingagentur Moody's mit sinkenden Erlösen und Gewinnen bei Kliniken, Versicherern und Medizintechnikherstellern. Bereits im November stufte Moody's den Ausblick für die nächsten 12 bis 18 Monate von "stabil" auf "negativ" herab.

"Hauptursache dafür sind die erwarteten Auswirkungen eines langen ökonomischen Abschwungs", heißt es in einem Report. Es war das erste Mal, dass die Ratingagentur eine negative Einschätzung für alle Hauptsektoren der Branche abgab. "Das bislang Hypothetische ist nun Realität geworden", sagt Lisa Goldstein, Senior Vice President bei Moody's.

Krisensichere Branche? "Typischerweise war die Healthcare-Branche resistent gegen Abschwünge, aber diese Krise ist historisch", sagt auch William Hawkins, Vorstandschef von Medtronic, des weltgrößten reinen Medizintechnikherstellers. "Auch unser Geschäft ist betroffen." Zuletzt hatte der Konzern krisenbedingt die Wachstumsprognosen absenken müssen.

Dabei steht Medtronic noch gut da, mit 3 Mrd. $ Gewinn bei 13,5 Mrd. $ Umsatz 2008. "Lebenswichtige Herzschrittmacher oder Stents kriegen die Patienten auch heute", sagt Hawkins. Die Kernsparten des Konzerns erreicht die Krise nicht.

Längst ist nicht alles so schwarz wie in anderen Branchen. Während der Börsenindex Dow Jones Global, der weltweit 1800 gelistete Unternehmen abbildet, seit Anfang 2008 um die Hälfte absackte, brach der Healthcare-Index nur um knapp 30 Prozent ein. Fresenius, Deutschlands größter Gesundheitskonzern mit Klinik-, Pharma- und Medizintechniksparten, meldet Rekordumsätze und -gewinne.

"Je weiter eine Branche vom Finanzmarkt entfernt ist, desto weniger macht sich die Krise bemerkbar", sagt Hartmut Schauerte, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Das komme der Gesundheitswirtschaft zugute. "Wem sollen die Banken denn noch Geld leihen, wenn nicht Ihnen?", rief er kürzlich Pharmamanagern und Apothekern zu.