Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (letzter Teil)

Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (letzter Teil) Gesundheitsmarkt fürchtet Krise (letzter Teil)

Ein düsteres Bild malt auch der Münchner Gesundheitsökonom Günter Neubauer. Zwar bringe das Konjunkturpaket II vorübergehende Erleichterung für den Markt. Rund 500 Mio. Euro dürften Kliniken und Herstellern zufließen. "In der zweiten Hälfte 2010 kommt die Krise aber in der Gesundheitswirtschaft an", prophezeit Neubauer. Der Staat springe nur temporär ein, die Krise komme mit ein bis zwei Jahren Verzögerung. "Dann bluten Ärzte und Kliniken, ganz sicher."

Richtige Schneisen schlägt die Krise bislang nur bei der Finanzierung. "Selbst im sonst so stabilen Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung spürt man die Krise überall dort, wo investiert werden muss", sagt der Gesundheitsökonom Thomas Drabinski von der Universität Kiel. Systemisch entscheidend ist dabei die Finanzlage der Kliniken, von der weite Teile der Medizintechnikindustrie abhängen. Das zeigt sich an den verheerenden Folgen, die die Kapitalklemme der US-Kliniken bereits ausgelöst hat.

Die Kreditquote kommunaler Häuser liegt im Schnitt bei rund zehn Prozent der Bilanzsumme, die privater Betreiber deutlich höher. In den vergangenen Jahren brauchten die Häuser angesichts sinkender staatlicher Förderung immer mehr frisches Kapital, um Investitionen stemmen zu können. "Früher waren Kliniken nicht so kapitalmarktabhängig. Aber die Kreditquoten steigen", sagt Almut Steinmüller, Krankenhausexpertin der Landesbank Berlin. "Nun steigen die Anforderungen der Banken. Kliniken könnten die Krise spüren."

Teure Kredite Die Branche ist alarmiert. "Wir hören deutlich von Problemen der Häuser, Kredite zu erhalten oder Kreditlinien zu verlängern", heißt es bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft. "Wir reihen uns ein in eine Reihe von Branchen, die kritisch von den Banken gesehen wird", sagt auch Gerhard Sontheimer, Chef der Gesundheit Nordhessen, einer der großen kommunalen Klinikgruppen. "Die Kliniken laufen in ein gefährliches Defizit."

Die Banken haben selbst Probleme, sich mit ausreichend Liquidität einzudecken - und erhöhen daher die Risikozuschläge. "Selbst bei gleichem Rating werden die Kredite für die Kliniken teurer", sagt Margit Johne, Klinikexpertin der Deutschen Bank. "Einige Häuser könnten Probleme bekommen, die höheren Risikozuschläge zu finanzieren."

Sogar kommunale Häuser spüren das - trotz staatlicher Bürgschaften. "Vor allem im vierten Quartal 2008 sind auch die Kredite für Kommunen teurer geworden. Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt, aber wir sind immer noch nicht auf Niveau des letzten Sommers", sagt Jens Michael Otte, der bei der Deutschen Bank das Geschäft im öffentlichen Sektor leitet.

Der Staat am Ruder Dramatisch könnte es werden, wenn große Investoren ganz aus dem Gesundheitsmarkt aussteigen, die bisher eine tragende Rolle gespielt haben. Diese Gefahr drohe durchaus, heißt es in Bankenkreisen, auch in Deutschland. Die Royal Bank of Scotland, bislang sehr aktiv bei Gesundheitsimmobilien, ist massiv angeschlagen.

"Zu heftigen Verwerfungen" würde auch ein Ausstieg der angeschlagenen Landesbanken führen, warnt ein Banker. Sie gehören zu den klassischen Geldgebern für Krankenhäuser. Angesichts der Krise seien zahlreiche Institute bereits auf dem Rückzug.

Am Ende könnte sogar der Staat wieder das Ruder übernehmen müssen. Die Öffnung des Gesundheitssystems, hin zu mehr Markt, steht infrage. Am Beispiel der USA sieht man, wie anfällig Systeme sind, die der Staat nicht so stark stützt. "Jedes Segment, das marktwirtschaftlich organisiert ist, kann von der Krise betroffen sein", sagt Jan-Frederik Belling, Gesundheitsexperte der Privatbank M.M. Warburg. "Wegen dieser Logik ist man ganz schnell bei einer grundsätzlichen Systemdiskussion."