Fitnessclub statt OP-Saal

Sorgen bereiten Philip Hegel derzeit eigentlich nur seine Diskusfische, die "Ferraris unter den Aquarienbewohnern", wie er sie nennt. Ein hartnäckiger Virus hatte die Tierchen, die den Trainingsbereich seines Fitnessstudios zieren, zuletzt heimgesucht, einige haben es nicht überlebt. "Ich hoffe, dass mir die anderen durchhalten", sagt Hegel. Die Tiere passen ins Konzept: Eine Mischung aus "Wohnzimmer und Hotel" wollte der 31-Jährige schaffen, als er sich vor einem Jahr den Traum vom eigenen Studio erfüllte. Von dem Bodybuilding-Center, das in den Räumlichkeiten einst residierte, ist nichts mehr übrig. Dafür zieren jetzt künstliche Palmen und Bambusrohre die Trainingslandschaft. Sogar ein mit dicken Schmökern befülltes Bücherregal findet sich inmitten von Brustpressen und Adduktorenmaschinen.

Ein Wagnis war es schon, das Medizinstudium und den sicheren Job in der Klinik sausen zu lassen und in die Fitnessbranche zu wechseln, gesteht Hegel. "Hierher kommen alle freiwillig, hier geht es in erster Linie um den Spaß", begründet der Studiobetreiber seine Entscheidung, bevor er die nächste Kundin in Empfang nimmt. Die Dame kommt zum Schnuppertraining, da ist der erste Eindruck besonders wichtig.

Dass Hegel nur einer von etwa 70 Anbietern ist, die in Nürnberg unter dem Stichwort "Fitness" rangieren, stört ihn nicht. Und die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben. Die deutsche Fitnessszene boomt. Einer aktuellen Studie des Deutschen Sportstudioverbandes (DSSV) zu Folge waren im Jahr 2009 deutschlandweit sieben Millionen Bundesbürger in den knapp 6.000 Fitnessstudios aktiv. 2008 waren es noch knapp sechs Millionen. Eine durchaus beachtliche Zahl wenn man bedenkt, dass die Fußballvereine etwa genauso viele Mitglieder zählen.

Für Philip Hegel geht es in den kommenden Monaten erst einmal darum, sich auf dem Markt zu behaupten. Das will er vor allem mit einer intensiven persönlichen Betreuung schaffen. Seine Schnupper-Kundin – eine Mittdreißigerin, die vor allem was für ihre Rücken- und Beinmuskulatur tun möchte – schwitzt jetzt erst einmal auf dem Crosstrainer. Hegel nutzt die kurze Pause für einen kleinen Plausch mit den anderen Mitgliedern. Und, um die Fische zu füttern. Stephanie Händel

Fitnesstrainer Philip Hegel (rechts) bei der Arbeit. Foto: Händel