Excursus on Fitness

Ausstellung des österreichischen Künstlers Josef Dabernig in der MAK-Galerie

Heute wird in der MAK-Galerie in Wien die Ausstellung "Excursus on Fitness" des österreichischen Künstlers Josef Dabernig eröffnet. Die Ausstellung verbindet narrative sowie strukturelle Elemente und überträgt eine filmische Methode in das Feld der "expanded sculpture". Dabei interpretiert Dabernig reale  Gegenstände und Requisiten aus dem gleichnamigen Film als skulpturale Objekte und zeigt in verschiedenen Kojen auch Fotoserien und Einzelbilder von Stadien, Sportveranstaltungen und adaptierten Freiräumen. In der Gesamtkonzeption lotet er das Spannungsfeld von Fläche und Raum beziehungsweise die Ökonomie der räumlichen Dimension in den Settings von Film und Installation aus.

In seinen Arbeiten entwickelt Dabernig Texte, Skulpturen, Installationen,  Fotografien und Filme an der Schnittstelle von Theorie und Forschung. Zentrale Themen sind für ihn Ordnungssysteme und konditionierte Verhaltensweisen im Spiegel von Kultur und Gesellschaft sowie Fragestellungen zu Architektur. Dabei greift er auch auf sein persönliches Archiv oder bereits erprobtes Material zurück und verwebt dokumentarische und fiktive Elemente einer möglichen Realität zu analytischen Gedankengebilden.

Eigens für die MAK-Ausstellung gestaltete Dabernig ein Raumkonzept, das seine Vorliebe für Module, Serien sowie formal minimale und präzise geordnete Strukturen widerspiegelt. Er entschied sich für ein dichtes Zusammenspiel verschiedener Kunstformen, wobei sich die Grenzen verwischen. In regelmäßigen Abständen eingezogene Paneele teilen den Ausstellungsraum in mehrere Abschnitte, die wiederum den Tiefenzug der räumlichen Situation betonen und gleichzeitig die in den einzelnen Zellen  präsentierten Szenen zu einer Einheit verbinden. In den Kompartimenten werden verschiedene Szenarien zum Thema Fitness gezeigt, die sich in ihrer Gesamtkonzeption zur "Turnpinakothek" verbinden. Mit dieser Konstruktion bildet Dabernig offene Räume und interpretiert Architektur auch in ihrer "inversen" Form, nämlich der Umkehrung des Kinoraums außerhalb des logischen Projektionsraums. Das Vexierspiel im Zentrum der Installation ergibt sich aus der Übertragung der abgeschirmten Black Box in einen offenen White Cube und der Auslagerung der Filmvorführung in eine periphere Zone.

Für das Publikum sieht der Künstler einen geschützten Raumabschnitt vor. Der für die Ausstellung produzierte Film "excursus on fitness" wurde in einem Tanzsaal in Wien gedreht. Sechs weibliche und männliche Darsteller – darunter Dabernig selbst – führen in unterschiedlichen Lebensstadien und verschiedener körperlicher Verfassung einfache Übungen aus. Dabei geht es weniger um Leistung und Körperertüchtigung als um Disziplinierung und ein existentielles Verhältnis zum Körper. Die Kommunikation innerhalb der Gruppe erstarrt in tableau-artiger Inszenierung zur Geometrie der Gesten und Blicke. "Die Geometrie der Liebe – ein Verweis auf den Film ‚Teorema – Geometrie der Liebe’ von Pier Paolo Pasolini – wird als Geometrie der Kälteimaginiert. Das Nebeneinander selbstbezogener Subjekte erstarrt gleichsam zum Stand der Ding ", erklärt der Künstler.

Architektur spielt in Dabernigs Filmen eine große Rolle. In die bewegten  Bildsquenzen von "excursus on fitness" sind räumliche Details versatzartig  eingeblendet, die Struktur des architektonischen Settings wird durch  Spiegelung aufgebrochen und erweitert. Die erste Einstellung wird entlang  einer Fensterfront mit Blick auf Wohnhäuser und eine Parkanlage geführt,  verwoben mit Fragmenten eines Schriftzugs. Der Künstler Otto Zitko fungiert  quasi als Stage Manager und überwacht die Filmaufnahmen im Sinne des  Drehbuchs, ohne jedoch einzuschreiten. Die Charaktere, neben Dabernig selbst Familienmitglieder des Künstlers und Freunde, führen gleichförmige Bewegungen am Boden aus oder trainieren am Fahrrad. Das Verfolgen der einzelnen Bewegungen löst im Betrachter den Reflex aus, sich selbst  körperlich betätigen zu wollen, seinen eigenen Erinnerungen an die  Gruppendynamik des Sports und den damit verbundenen Gefühlen kann er  sich dabei nicht entziehen.

Der Film ist stumm; die Abwesenheit des Tons betont das architektonische  Zentrum als akustische Klammer. In einer der peripheren Raumzellen in der  MAK-Galerie ist mit "Parking" (2003) ein zweiter Film zu sehen. Dessen  Tonspur – das monotone Geräusch eines im Stand laufenden Automotors mit  regelmäßig zugeschaltetem Ventilator – durchbricht den Gleichklang der Stille  und wird sukzessive von Gandalfs Meditationsmusik aus „Sanctuary“ als  akustisches Gegenstück am anderen Ende des Ausstellungsraums absorbiert. 

Josef Dabernig. Excursus on Fitness im MAK - ©Wolfgang Woessner/MAK