Doping: Fitness-Trainer verurteilt

Schwunghafter Handel mit illegalen Präparaten in der Kraftkammer

Alles hübsch unter einem dunkelblauen Anzug verborgen. Nur wenn der Angeklagte versucht, den Kopf zu neigen, merkt man: "Nach zwei harten Jahren, hab' ich's dann geschafft, ich kann kaum noch geh'n, vor lauter Kraft" (EAV-Liedtext) - der Mann ist Bodybuilder. Geübt im Umgang mit Gewichten wie mit Wachstumshormonen, Anabolika, schlicht: Dopingmittel.

Die hat er nicht nur selbst eingeworfen, und eigenen Angaben nach in fünf Monaten zehn Kilo Muskelmasse zugenommen, sondern damit auch andere versorgt. Kunden eines Wiener Fitness-Clubs, in dem der 40-Jährige als Personell Fitness Trainer arbeitet. "A-Huga-Haga-Huga. An der Copacabana und am Wörthersee - starke Männer sind nie passé." Allerdings ist das seit 2002 strafbar "und kein Kavaliersdelikt", wie Staatsanwältin Nina Weinberger am Dienstag im Dopingprozess ausführte.

"Dr. M."
Sie nannten ihn "Dr. M.": Peter M. soll minderjährigen Hobby-Sportlern die Kraftmittel selbst injiziert haben, was der ehemalige Teilnehmer an Weltmeisterschaften im Bodybuilding bestreitet. Er kenne sich halt medizinisch gut aus und wisse über die Substanzen Bescheid. Kunden seien an ihn herangetreten und hätten gesagt: "Ich trainier' schon fünf Wochen, aber es tut sich nix. Gibt es da nicht was dafür?"

Den Leuten konnte geholfen werden. "Wenn ich meine Muskeln auf dem Buckel schupf, schau ich aus wie ein geölter Gugelhupf." M. handelte in großem Stil: Es gab bei ihm so genannte "Thailänder" und "Russen", 5.000 Einheiten von diesem, 100 Ampullen von jenem. Aber er habe auch Leute "runter geholt", darauf ist der von Rudolf Mayer verteidigte Trainer stolz: "Da nimmt einer seit zwei Jahren solche Mengen und schaut trotzdem nix gleich", bei solchen Kunden habe er die Dosierung gedrosselt.

Folgeschäden
Immerhin sind die Folgeschäden nicht ohne: "Mit geblähtem Brüstl, klopf' ich bei der Hilde" - M. selbst entwickelte das, was in der Szene "Bitch Tits" heißt. Sein weiblicher Brustansatz wurde operativ entfernt. Dafür habe seine Ehefrau seine anderen - durch die Dopingmittel besonders hervor getretenen - Vorzüge genießen dürfen.

Zu seinen Abnehmern zählten auch Mitglieder des österreichischen Bodybuilding-Nationalteams. Nur 500 Euro verdiente M. angeblich im Monat am Verkauf und finanzierte sich damit seinen eigenen Konsum. Richter Peter Liebetreu will wissen, wie er heute dazu steht. "Wenn jemand einen Wettkampf machen will, geht es nicht ohne Mittel", behauptet M.

Alle seien gedopt, die Kontrollen nur "Alibi": "Man geht im Gewand aufs Klo und manipuliert den Test. Die Funktionäre wissen das." Das Urteil: Ein Monat unbedingt (durch fünf Wochen U-Haft bereits verbüßt) plus sechs Monate bedingt. "A-Huga-Haga-Huga. An der Copacabana und am Wörthersee - starke Männer sind längst passé."

Krafttraining stärkt die Muskeln, zur Beschleunigung werden nicht ungefährliche Dopingmittel eingesetzt. Foto: krone.at