"Das neue Solariengesetz macht keinen Sinn": Interview mit Bernd Schmid, Ceo von Sun´s Solarien

Jugendliche unter 18 Jahren dürfen sich künftig nicht mehr im Sonnenstudio bräunen. Der Bundestag verabschiedete ein Gesetz, mit dem Minderjährige vor gesundheitsschädlicher UV-Strahlung und Hautkrebs geschützt werden sollen. Bodymedia hat Bernd Schmid, Vorstand im Photomed-Verband und erfolgreicher Geschäftsmann in der Solarienbranche, gefragt, welche Auswirkungen und Sinn dieses Gesetz für die Fitnessbranche hat.

Beim Thema Solarien gibt es zwei polarisierende Lager: die einen, u.a. das Bundesministerium für Umwelt (BMU), viele Hautärzte oder auch die Deutsche Krebshilfe, sehen in der Besonnung mit künstlichen UV-Strahlen eine Gefahr, die anderen, die mit Solarien ihr Geld verdienen, sprechen von einer gezielten Kampagne und verweisen auf die vielen positiven Effekte der künstlichen Besonnung.

Es kursieren immer wieder neue Zahlen und beide Seiten fahren je nach Ausrichtung wissenschaftliche Studien auf. Die Regelung, so stand es in der Begründung des Bundestags, sei notwendig geworden, weil sich Solariumbetreiber nicht an die freiwillige Selbstverpflichtung hielten, unter 18-Jährigen nicht auf die Sonnenbank zu lassen,. Für viele Jugendliche gehöre der regelmäßige Gang ins Sonnenstudio schon zum Alltag, hatte schon das Kabinett kritisiert.Sonnenbrände,frühzeitige Hautalterung und letztlich die Krebsgefahr würden meist außer Acht gelassen. "Oftmals fehlt es auch an einer fachkundigen Beratung durch qualifiziertes Personal und an einer Kennzeichnung der Geräte", hieß es weiter. In der Praxis gebe es deswegen immer wieder Verbrennungsfälle.

Nach einer gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention (ADP) erstellten Studie des Umweltministeriums hat mehr als ein Viertel der derzeit 14 Millionen Nutzer von Solarien bereits zwischen zehn und 17 mit dem künstlichen Bräunen angefangen. Die Krebshilfe warnte jüngst: "Wer vor dem 35. Lebensjahr mit der Solariennutzung beginnt, verdoppelt nahezu sein Risiko, später an dem gefährlichen Schwarzen Hautkrebs zu erkranken."

Das ist die eine Seite. Die Fürsprecher der künstlichen Besonnung halten gleich einen ganzen Katalog positiver Effekte den Solarien-Gegnern vor und verweisen auf Studien, die genau das Gegenteil beweisen würden. So zum Beispiel die Studie "Exposure to sunlamps, tanning beds and melanoma risk" des renommierten Boston University Medical Centers vom April 2008. Bei dieser Untersuchung mit über 1.000 Probanden konnte keinerlei Zusammenhang zwischen dem verstärkten Auftreten des Schwarzen Hautkrebses und der Nutzung von Sonnenbänken festgestellt werden. Die Wissenschaftler verglichen dabei die Wirkungen von UV-Lampen, die in der Regel vor 1980 eingesetzt wurden mit Sonnenbänken modernen Technik- Standards, wie sie nach 1980 bis heute überall – auch in Deutschland – eingesetzt werden.

In der Fitnessbranche haben die Solarien schon lange Einzug gehalten. Mit dem richtigen Einsatz von Marketing und Aufklärung lasse sich hiermit problemlos ein Profitcenter einrichten, sagt Bernd Schmid, Ceo von Sun´s Solarien, einem der profiliertesten Unternehmen dieses Branchenzweigs.Bodymedia hat die Verabschiedung des Solarien-Gesetzes zum Anlass genommen, ihn an seinem Standort Freudenstadt zu besuchen und nach seiner Meinung zu befragen.

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Bodymedia: Herr Schmid, was halten Sie davon, dass Jugendliche unter 18 Jahren nicht mehr ins Solarium gehen beziehungsweise sich grundsätzlich nicht mehr der künstlichen Besonnung aussetzen dürfen?
Bernd Schmid: Grundsätzlich halte ich eine Reglementierung für sinnvoll, doch das Gesetz zielt in meinen Augen am Thema vorbei. Zum einen ist die Zahl derjenigen Jugendlichen unter 18 Jahren, die sich unter die Sonnenbank legen, mit unter 4 % verschwindend gering, d.h. mit dem Gesetz trifft man sowieso nur einen kleinen Teil der Bevölkerung, zum anderen hat sich unsere Gesellschaft doch eher dahingehend entwickelt, dass gerade die Jugendlichen von heute immer weniger draußen zu finden sind. Die PC und Videogame-Generation kommt viel zu selten an die Sonne,was sich in einem klaren Vitamin D-Defizit auswirkt. Und hier weiß man ja, dass dieses Auslöser für viele Krebsformen sein kann.

Bodymedia: Was ist also das eigentliche Problem bei der Debatte?
Bernd Schmid: Die Branche braucht eine gewisse Planungssicherheit. Die Reglementierung der Strahlungsstärke auf 0,3 Watt/qm ist meines Erachtens viel wichtiger als die Altersbeschränkung. Damit hat die künstliche Besonnung der Solarien in etwa die gleiche Strahlungsstärke wie die natürliche Sonne.

Bodymedia: Von Seiten der Solarien-Gegner wird immer wieder die fehlendeQualifikation der Betreiber angeführt.
Bernd Schmid: Zurecht, das ist ein Problem. Wobei die Fitnessbranche hier ganz klar die Möglichkeit hätte, Boden gut zu machen. In allen Bereichen bilden wir unsere Mitarbeiter aus, um uns als gesundheitsorientiert zu positionieren und den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. Nur beim Thema Ausbildung für den Bereich Sonnenbänke wird noch zu wenig investiert.

Bodymedia: Gibt es denn eine allgemein anerkannte Ausbildung?
Bernd Schmid: Die haben wir und sie wird von dem BMU und der BFS anerkannt. Schulungen finden mehrfach an verschiedenen Standorten statt. Meist schicken die reinen Sonnenstudios ihre Mitarbeiter,weniger die Fitnessclubs. Im Schnitt nehmen 60 bis 80 Personen teil.

Bodymedia: Bei rund 6.000 Fitnessclubs in Deutschland ist das sehr wenig,…
Bernd Schmid: Das sehe ich genauso. Gerade die Ausbildung könnte auch eine Chance für die Fitnessclubs sein, das oftmals sehr stiefmütterlich behandelte Thema Sonnenbänke als Profitcenter aufzubauen. Konzepte für die Umsetzung im Club sowohl im Ausbildungs-/ Personal- als auch im Marketingbereich gibt es genügend.

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Bodymedia: Was erwarten Sie sich nach der Bundestagswahl für Ihr Segment? Wird es weitere Verschärfungen geben? Zum Beispiel, dass nur noch zertifizierte Anlagen zugelassen werden?
Bernd Schmid: Es wird eine Verordnung geben, die auch die Abstrahlungsstärke bei gebrauchten Geräten reguliert auf die 0,3 Watt/qm. Außerdem wird die Verordnung auch Einfluss nehmen auf die Qualifikation der Betreiber und des Personals.

Bodymedia: Die Deutsche Krebshilfe hat jüngst eine Pressemeldung herausgegeben, in dem sie vor der Nutzung künstlicher Besonnung warnt. Was sagen Sie dazu?
Bernd Schmid: Diese Studie wurde erstellt von einem französischen Wissenschaftler, der selbst bei Kollegen in Frage gestellt ist. Die Studie wurde vor zwei Jahren erstellt und die Probanden waren fast ausschließlich Menschen mit Hauttyp Klasse 1, die sowieso keine Solarien nutzen sollten. Also hat man hier ein verfälschtes Bild dargestellt. Die beiden deutschen Verbände und auch der europäische Verband (ESA) gehen derzeit gerade gegen die Aussagen dieser Studie vor.

Bernd Schmid

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