Airport Fitness Zürich hebt mit Loch im Cockpit ab

Das erste Fitness- und Wellnesscenter der Schweiz mit eigenem

internationalem Flughafen

Das Erste, was dem Besucher auffällt, ist der Geruch. Und obwohl die Volleyballer aus Amriswil zu Demonstrationszwecken am Trainieren sind, ist es etwas anderes, das einen die Nase rümpfen lässt. "Das ist noch der Baugeruch, in drei Wochen ist er verschwunden", sagt Dominik Keller, Verwaltungsratsdelegierter der Thermalbad Zurzach AG, die als Hauptaktionärin des neuen Airport-Fitness fungiert. Am vergangenen Samstag eröffneet der Wellness- und Fitnesspalast im Untergeschoss des Flughafenhotels Radisson Blu mit zwei Tagen der offenen Tür.

Was als Zweites auffällt, kann dann nicht mehr genau bestimmt werden. Zu viele Dinge stechen ins Auge. Da wäre beispielsweise der Empfangsbereich mit dem 1:1 nachgebauten Cockpit einer Airbus-A320-Maschine. Das schwebt über den in Fluggesellschaftsuniformen gekleideten Empfangsdamen. Weiter das dunkle Parkett, das sich viele Leute als Boden ihrer nächsten Wohnung wünschen würden. Das nicht zu grelle Licht gibt dem Raum einen wohnlichen Touch. Der Blick nach oben offenbart eine Galerie gespickt mit Hometrainern, von dort kann man den gesamten Raum beobachten. Und sobald man sich durch die Hightech-Fitnessgeräte geschlängelt hat, findet man sich in der sogenannten Lounge wieder, die diesen Namen auch wirklich verdient. Wer sich vorstellt, dass es an der benachbarten Bar nur isotonische Getränke und Wasser zu trinken gibt, täuscht sich. Beim genaueren Hinschauen entdeckt man auch noch einen Bierzapfhahn.


Nur Lösungen, keine Probleme
Schon bevor die Pressekonferenz beginnt, haben die Medienvertreter eine grosse Ladung an Reizen abgekriegt. Die Fakten und Ausführungen der Verantwortlichen wirken da schon fast beruhigend. "Es gibt keine Probleme, sondern nur Lösungen", sagt beispielsweise Projekt- und Bauleiter Daniel Wirth. Innerhalb von drei Monaten musste das Grossprojekt gebaut werden. Bei einem Investitionsvolumen von 4,6 Millionen Franken haben 152 Arbeiter und Planer auf insgesamt 2.000 Quadratmetern weit über 1.000 Tonnen Baumaterial verbaut. Das Kernstück, das nachgebaute Cockpit, sollte eigentlich von einer echten DC 110 abgetrennt und montiert werden, "doch wir brachten es nicht in den Raum", sagt Wirth. Deshalb habe man sich für den Nachbau des Airbus-Cockpits entschieden. Eben: "Es gibt keine Probleme, nur Lösungen."

Das grosse Staunen folgt bei der Besichtigung des Garderoben- und Wellnessbereichs. Während sich die Besucher bei den Massagezimmern und unterschiedlich gestalteten Umkleide- und Hygienebereichen für Frauen und Männer noch nüchtern zurückhalten, entlockt ihnen der gemeinsame Erholungsbereich immer wieder ein "Uiii" oder "Wow". Die grosse Sauna und das direkt angebaute Hamam wirken luxuriös, der von Aquarien flankierte Ruheraum grosszügig. Die Verlockung scheint gross, dass die Kunden ihre Zeit lieber hier geniessen, statt sie im Trainingsbereich zu investieren.

Noch ist das Cockpit unbesetzt
Im oberen Stock finden sich ein Schlafraum mit sechs Wasserbetten und das schon auf Plakaten viel besungene Cockpit. "Leider haben wir es nicht mehr rechtzeitig fertiggebracht", entschuldigt sich Keller. Zu sehen sind einzig eine Massageliege und ein Loch, in das der Whirlpool zu liegen kommen soll. Das Cockpit auf den Eröffnungstermin fertigzustellen, ist das einzige sichtbare Problem, auf das die Betreiber keine Lösung fanden.

Das Exklusiv-Projekt soll ein breiteres Publikum ansprechen
Das Wellness- und Fitnesszentrum am Flughafen Zürich wird von der Thermalbad Zurzach AG betrieben. Die Anlage im Soussol des Hotels Radisson Blu wartet mit einem hohen Standard auf. Allerdings wollen die Betreiber nicht nur besser verdienende Leute ansprechen. Als prioritäre Zielgruppe nennt der Verwaltungsratsdelegierte Dominik Keller die Flughafenangestellten: «Wir haben gemerkt, dass der Flughafen wie eine kleine Stadt funktioniert. Deshalb haben wir uns zuerst mit den Flughafenfirmen in Verbindung gesetzt.» Man erhoffe sich, dass deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Angebot per Mundpropaganda in die Region und zu den Fluggästen tragen.

Ein Jahresabonnement soll 1.090 Franken kosten und beinhaltet die Benutzung des Trainings- und Wellnessbereichs. Zusätzliche Dienstleistungen wie Massagen oder Kurse werden verrechnet. Damit liegt das Center im branchenüblichen Bereich. Bislang habe man «Hunderte» Anmeldungen erhalten. Ein weiteres Zielpublikum sind die Gäste des Hotels Radisson Blu. Diese will man mit Spezialpaketen abholen. So können beispielsweise Kurzentschlossene das Airport-Fitness während zwei Stunden in Anspruch nehmen und erhalten dazu auch Trainingskleidung, Turnschuhe und Badeutensilien. Insgesamt bieten die Räumlichkeiten Platz für 300 Personen.

Foto: David Baer